Sport : Die Mittwochsdemo

Michael Rosentritt

wünscht Leipzig einen neuen Anfang Der vergangene Mittwoch war ein besonderer Tag für die Stadt Leipzig. Bundespräsident Horst Köhler trug sich in das neue Goldene Buch der Stadt Leipzig ein. Der Vorgänger war vor wenigen Wochen mit dem 145. Eintrag seit 1981 geschlossen worden. Der „Leipziger Volkszeitung“ war dieser Anlass ein buntes Foto und den Verweis wert, dass es sich bei dem Einband des Buches um dunkelblaues nigerianisches Oasenziegenleder handelt. Die Leipziger mögen es halt kulturvoll und traditionell. Aber jetzt könnten sie mit einer Tradition brechen.

Seit 15 Jahren war für Leipzig der Montag ein ganz besonderer Tag. Am vergangenen Montag haben noch einmal 400 Menschen auf dem Ring demonstriert. Wofür oder wogegen da demonstriert wurde, hat kaum noch einer wahrgenommen. Die Montagsdemo hat sich verlaufen. Am Mittwoch trafen sich 45 000 Menschen zu einem Fußballspiel. Es war die Länderspielpremiere im neuen Zentralstadion. Eine ganze Nation blickte neugierig nach Leipzig und wurde nicht enttäuscht. Das Stadion ist schick, gravierende Pannen blieben aus. Im Sommer 2006 sollen in Leipzig fünf Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft stattfinden.

Vielleicht kann dieser Mittwoch den Montag ersetzen und über einen Dienstag hinwegtrösten. Vielleicht starb am Mittwoch das Verliererimage, das Leipzig seit jenem Dienstag im Mai, dem Tag der gescheiterten Olympiabewerbung, mit sich herumschleppte. Im Sommer 2006 werden wahrscheinlich nicht so viele Besucher nach Leipzig kommen wie zu Olympischen Spielen gekommen wären. Aber dafür ist es eine realistische Chance.

0 Kommentare

Neuester Kommentar