Sport : Die nächste Entscheidungsschlacht

Herthas Mitglieder debattieren heute über ihr neues Präsidium, die Zukunft von Manager Preetz und das Duell mit dem DFB.

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Bleibt er? Geht er? Hertha-Präsident Werner Gegenbauer stellt sich heute zur Wiederwahl – aber nur einmal. Foto: dapd
Bleibt er? Geht er? Hertha-Präsident Werner Gegenbauer stellt sich heute zur Wiederwahl – aber nur einmal. Foto: dapdFoto: dapd

Berlin - Gestern konnte Werner Gegenbauer zahlreiche Glückwünsche entgegennehmen. Er wurde 62 Jahre alt. Dass der Präsident von Hertha BSC auch heute etwas zu feiern hat, ist nicht so sicher. Am Abend findet die Mitgliederversammlung des ins Chaos gestürzten Bundesligisten statt. Nach den Vorfällen im vergangenen halben Jahr auf und außerhalb des Rasens darf die Stimmung als aufgeladen bezeichnet werden. Zudem steht die Wahl eines neuen Präsidiums auf der Tagesordnung.

Überlagert wird die Wahl im ICC von einem offenen Streit um die Weiterbeschäftigung von Manager Michael Preetz und der juristischen Auseinandersetzung der Vereinsführung mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) über die Wertung des Relegations-Rückspiels bei Fortuna Düsseldorf. Am Freitag hatte das DFB-Bundesgericht den Einspruch Herthas in der zweiten Instanz abgewiesen. Auf der Versammlung will Gegenbauer ausloten, ob Hertha in die dritte Instanz gehen soll. Dabei hatte sogar die „Bild“-Zeitung als vormals lauteste Stimme für ein Wiederholungsspiel nach dem ablehnenden Bescheid des Bundesgerichts gefordert: „Hertha, gib jetzt Ruhe!“ Und das bundesweit, auch in der Berlin-Ausgabe.

Das Duell mit dem DFB hat ein wenig an Brisanz verloren, ganz im Gegensatz zur Wahl des neuen Präsidiums. Dem Gremium können bis zu neun Mitglieder angehören, sieben müssen es laut Satzung mindestens sein, um Geschäftsfähigkeit herzustellen. Für das Amt des Präsidenten gibt es nur einen Kandidaten, den Amtsinhaber Gegenbauer. Sollte er im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit verfehlen, würde er zum zweiten nicht mehr antreten. Zudem hat Gegenbauer seine Wahl mit dem Schicksal von Manager Michael Preetz verknüpft. Gegenbauer kündigte an, wenn Mitglieder auf eine Trennung von Preetz bestehen sollten, „ können sie bei der Präsidentenwahl ihr Kreuz da machen, dass sich das bewahrheitet“. Und: „Ich stehe zu Michael Preetz, weil ich glaube, dass er der richtige Mann für Hertha BSC ist“, sagte Gegenbauer in der vergangenen Woche. Was er nicht sagte war, warum er das glaubt.

Gegenbauer weiß, dass nicht er, sondern das Präsidium entscheidet. Deshalb wolle er sich genau ansehen, wer in dieses Gremium gewählt wird. Sollte er nicht mehr die Mehrheit für sein Ansinnen wie bisher erkennen können, werde er sich zurückziehen. Gegenbauer nennt es Haltung, Kritiker werfen ihm ein gestörtes Demokratieverständnis vor. Erst jüngst hat sich auf einer Veranstaltung des Förderkreises Ostkurve, zu der die bisherigen acht Präsidiumsmitglieder und die sechs neuen Kandidaten eingeladen worden sind, eine Mehrheit (8:3) gegen Preetz ausgesprochen. Dabei fehlten aus dem Präsidium neben Gegenbauer noch Norbert Sauer und Christian Wolter. Gegen ein Weiter-so mit Preetz hatten sich aus dem Präsidium Vize-Präsident Jörg Thomas sowie Ingmar Pering als auch alle sechs Kandidaten positioniert. Lediglich die Präsidiumsmitglieder Thorsten Manske, Michael Ottow und Renate Döhmer bezogen auf Nachfrage der Anwesenden eine Position, bei der sie sich für Preetz aussprachen.

Für den Posten des Vizepräsidenten kandidieren der bisherige Amtsinhaber Thomas und Manske, den Gegenbauer vorgeschlagen hat, was von vielen Hertha-Mitgliedern als Affront gegen den bisherigen Vize Thomas angesehen wird. Hier wird es also zu einer Kampfabstimmung kommen.

Für die maximal sieben freien Plätze neben Präsident und Stellvertreter kandidieren die bisherigen Mitglieder Manske, Wolter, Ottow, Döhmer, Pering und Sauer. Dazu kommen die sechs neuen Kandidaten Hans-Jürgen Ahlhoff (Wirtschaftsprüfer), Lutz Kirchhof (Vorsitzender Amateurabteilung von Hertha), Dirk Schultze-Petzold (Rechtsanwalt), Axel Schmidt (Bankkaufmann), Michael Sziedat (Ex-Profi und jetzt Privatier) sowie Marco Wurzbacher, der nebenher das Internetportal Hertha-Inside betreibt.

Eigentlich kandidierten drei weitere Personen für das neue Präsidium, die allesamt von Gegenbauer vorgeschlagen waren, jedoch aus persönlichen Gründen von einer Kandidatur Abstand genommen haben oder an formalen Mindestanforderungen gescheitert sind.

Bislang konnte Gegenbauer auf eine Mehrheit im Gremium bauen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Präsidiumsmitglieder Manske, Ottow, Döhmer und Sauer für Mehrheiten sorgten. Diese Vier sind von Gegenbauer zur erneuten Kandidatur vorgeschlagen. Wenn, dann gab es lediglich bis zu drei Mitglieder, die dem Präsidenten Contra boten: Thomas, Wolter und Pering. Vor diesem Hintergrund wird es interessant sein, wer wem heute Abend gratulieren darf.

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