Sport : Die nächste Kurve

Monique Garbrecht-Enfeldt war lange verletzt – bei der WM in Japan will sie überraschen

Mathias Klappenbach

Berlin. Eigentlich hat Monique Garbrecht-Enfeldt im Moment genug Probleme. Mitten in der Vorbereitung auf ihr Comeback bei den Sprint-Weltmeisterschaften in Nagano erreichte sie auch noch diese Nachricht: Ihr Trainer Bart Schouten wird entlassen. Mit der Hilfe des Niederländers hatte sie in der vergangenen Saison den WM-Titel im Vierkampf und fast alle Weltcuprennen gewonnen, es war die erfolgreichste Saison in ihrer erfolgreichen Karriere. Schouten leitete eine internationale Trainingsgemeinschaft in Salt Lake City, der sich Garbrecht-Enfeldt nach den Olympischen Spielen 2002 angeschlossen hatte. Die von einer Stiftung finanzierte Modellgruppe muss jetzt aber sparen. Deshalb hat die Stiftung Schouten die Kündigung geschickt.

Durch das regelmäßige Training mit Schouten in Salt Lake City hat sich die Potsdamerin technisch weiterentwickelt, auch die Erfahrungen in dem anderen Land haben die 35-Jährige noch einmal motiviert. In den USA war sie aber schon lange nicht mehr, zuletzt Anfang Oktober. Denn ein Knorpelschaden im Knie hinderte sie über viele Wochen daran, überhaupt zu trainieren. Schon früh entschieden die Sprinterin und ihr Ehemann und Manager Magnus Enfeldt, dass sie deshalb in diesem Winter gar nicht in die USA fährt.

Stattdessen trainerte Garbrecht-Enfeldt in Deutschland mit Helge Jasch und Thomas Schubert, der auch an diesem Wochenende in Japan an der Bande stehen wird. Garbrecht ist zwar Titelverteidigerin, doch bei ihrem ersten internationalen Start in dieser Saison zählt sie nicht zu den Favoritinnen. Wie fühlt sie sich, wenn sie den anderen Spitzenläuferinnen auf einmal hinterherlaufen muss? „Ich weiß nicht, wo ich stehe. Aber das ist auch einmal ganz spannend“, sagt Garbrecht-Enfeldt, der die Vorfreude auf ihr Comeback wie einem kleinen Kind anzumerken ist. „Ich will einfach dabei sein, mich an die anderen wieder herantasten.“ Die wegen Überbelastung entstandenen Probleme im Knie seien mit anderem Training in den Griff zu kriegen, ans Karriereende denkt Garbrecht-Enfeldt noch lange nicht. An den Weihnachtsfeiertagen hatte sie sogar zuhause im Wohnzimmer schon wieder die Startposition geübt.

Am Donnerstag vor einer Woche, ein paar Tage vor den anderen deutschen Teilnehmern, ist sie nach Nagano geflogen. „Ich will auf jeden Fall alles getan haben, um die Zeitumstellung und die Bedingungen vor Ort in den Griff zu kriegen“, sagt Garbrecht-Enfeldt. Ihr bescheidenes Ziel im Vierkampf, in dem je zweimal 500 Meter und 1000 Meter gelaufen werden, ist ein Platz unter den ersten Sechs. Das Knie ist voll belastbar, Schmerzen hat sie auch nicht mehr. Aber der komplexe Bewegungsablauf auf der Eisbahn macht ihr noch Schwierigkeiten. „Die Kurve kommt noch zu früh. Das ist, als ob man mit dem Auto statt mit 100 km/h auf einmal 180 fährt“, sagt Garbrecht-Enfeldt, die in den vergangenen Tagen beim Starttraining noch Probleme mit den Adduktoren hatte. Für den Rest dieser Saison wird sie weiter in Deutschland trainieren. „Vielleicht kann man in Richtung Turin sogar hier eine Gruppe aufbauen, es gibt ein paar gute männliche Sprinter“, sagt ihr Mann Magnus. Er spricht schon von den Olympischen Spielen 2006.

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