Sport : Die nächste Lektion

Bremen unterliegt Espanyol Barcelona im Hinspiel mit 0:3 - Rot für Wiese

Raphael Honigstein[London]

Barcelona ist für Werder Bremen in dieser Spielzeit keine Reise wert: Nach der Lehrstunde in Sachen Spielkunst in der Champions League beim FC Barcelona im Dezember vergangenen Jahres erhielt der Bundesliga-Vizemeister nun beim weniger berühmten Stadtrivalen Espanyol Barcelona eine Lektion in punkto Effizienz. Die 0:3 (0:1)-Niederlage im Hinspiel des Uefa-Cup-Halbfinales ist für das Rückspiel am kommenden Donnerstag im Bremer Weserstadion eine schwere Bürde.

Erwartungsgemäß war das ungeliebte, weil weitläufige Estadi Olimpic auf dem Montjuic, dem Hausberg Barcelonas, nicht ausverkauft. 40 000 Zuschauer besetzten die 1992 für die Olympischen Spiele modernisierte Betonschüssel, die heute indes wie ein Monument einer in Deutschland längst überwundenen Stadion-Epoche wirkt. Dennoch sorgte die spanische Anhängerschaft für eine leidenschaftliche Atmosphäre, die den Tabellenzehnten der Primera Division sichtlich beflügelte. Die Gäste, wieder mit Frank Baumann in der defensiven Mittelfeld-Zentrale, waren an diesem frischen Frühlingsabend zuvorderst bemüht, die Partie zu kontrollieren, was 64 Prozent Ballbesitz in der ersten Hälfte auch dokumentierten. Dennoch konnte Werder gegen taktisch glänzend eingestellte Gastgeber nicht überzeugen: Das Vorwärtsspiel wirkte zu statisch, die Chancen waren – Fernschuss von Torsten Frings, Kopfball von Naldo, Hereingabe von Frings – allesamt nicht wirklich zwingend. Und Miroslav Klose, Schlagzeilenproduzent der vergangenen Tage, ließ keine Taten folgen, die millionenschwere Begehrlichkeiten rechtfertigen – nach 74 Minuten wurde der 28-Jährige ausgewechselt.

Besser machte es die mit bis dato 29 Treffern torgefährlichste Mannschaft im Uefa-Cup-Wettbewerb: Nach einer Ecke, die Baumann mit einem dilettantischen Querschläger verschuldet hatte, flankte Francisco Rufete den Ball genau auf den Kopf von Moises Hurtado, die schlecht postierten Petri Pasanen und Klose schauten nur zu, Tim Wiese war nach 20 Minuten chancenlos. Nicht zu Unrecht ärgerte sich der fleißige Spielmacher Diego maßlos – der 22-Jährige hatte zuvor wort- und gestenreich Mitspieler Aaron Hunt aufgefordert, den Flankengeber abzuschirmen, aber erst zu spät setzte sich der Youngster in Bewegung.

Eine Szene, die symptomatisch für fehlende Leidenschaft, Frische und Bereitschaft der Bremer war. „Die schießen viele Tore, die sind offensiv sehr stark“, hatte Espanyol-Trainer Ernesto Valverde zuvor den Bundesligisten gelobt, der wiederum zuerst einmal „prinzipiell ohne Gegentor“ (Trainer Thomas Schaaf) bleiben wollte. Diese Grundhaltung ging gleich nach der Pause ein zweites Mal schief: Die Ecke von Regisseur Ivan de la Pena verlängerte Walter Pandiani, der 31-jährige Exzentriker aus Uruguay, mit dem Kopf in die lange Ecke. Es ist müßig, darüber zu debattieren, ob in diesem Spiel der kopfballstarke wie stellungssichere, aber verletzte Innenverteidiger Per Mertesacker erstmals wirklich vermisst wurde, denn es kam noch schlimmer: Als Tim Wiese außerhalb des Strafraums den allein auf ihn zustürmenden Raul Tamudo nach einer Stunde ungestüm umgrätschte, zückte der gute Schiedsrichter Tom Övrebö die Rote Karte. Schaaf wechselte daraufhin Daniel Jensen aus, Routinier Andreas Reinke ging zwischen die Pfosten. Auch Reinke konnte nicht verhindern, dass die Bremer in Unterzahl nach einem Konter durch den eingewechselten Coro das 0:3 kassierten.

Fakt ist, dass Werder nun eines jener oft zitierten „Wunder von der Weser“ benötigt, um diesen kämpferisch, läuferisch und spielerisch unbequemen Widerpart noch auf dem Weg ins avisierte Uefa-Cup-Endspiel zu eliminieren.

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