Sport : Die nächste Stufe

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Von Benedikt Voigt

Berlin. Es war alles ein großer Zufall. Vor zwei Jahren hatte der SV Tübingen einen US-Amerikaner zum Probetraining geladen, doch weil der Basketballer nicht alleine ins Schwäbische reisen wollte, nahm er noch einen Freund mit auf die Reise. Der Begleiter konnte ebenfalls gut mit dem Basketball umgehen und durfte daher auch beim Training des Zweitligisten mitmachen. Als das Vorspielen vorüber war, hatte sich Tübingens Trainer Uwe Sauer entschieden: Er nahm den Freund. Dieser hörte auf den n DeJuan Collins und ist seit Montag Alba Berlins neuer Aufbauspieler.

Seit seiner kuriosen Ankunft in Deutschland hat sich DeJuan Collins in der Basketball-Bundesliga (BBL) einen Namen gemacht. Mit durchschnittlich 23,6 Punkten war er im vergangenen Jahr Topscorer der BBL. „Er hat in den letzten zwei Jahren gezeigt, dass er sehr gut in der Bundesliga spielen kann“, Trainer Emir Mutapcic über Albas ersten Zugang für die neue Saison. In Tübingen war der 25–Jährige der herausragende Spieler, erzielte gegen Gießen sogar 41 Punkte und kam durchschnittlich auf 4,7 Rebounds, 5,1 Assists und 2,2 Ballgewinne. Diese Zahlen sammelte er allerdings bei einem Team, das aus der BBL absteigen musste. Beim Deutschen Meister erwartet ihn mit der Verteidigung von Meisterschaft und Pokal sowie einer schweren Euroleague-Gruppe eine höhere Aufgabe. Alba glaubt, dass der 1,88 Meter große Spieler das meistern kann. „Er möchte sein Spiel hier auf das nächste Level heben“, sagte Albas Vizepräsident Marco Baldi, „ich persönlich kann sein Limit noch gar nicht erkennen.“

Collins’ Verpflichtung bedeutet gleichzeitig den Abschied von Derrick Phelps, der diese Position bei Alba in den letzten zwei Jahren ausfüllte. „Phelps hat uns erklärt, dass er mal eine Luftveränderung brauche, sein Agent hat auch nicht jeden dritten Tag angerufen“, erklärte Baldi. „Der Abschied von Phelps bedeutet nicht, dass wir unzufrieden mit ihm waren, aber wenn wir neue Impulse wollen, brauchen wir auch neue Spielertypen.“ Collins kann im Gegensatz zu Phelps offensiv und defensiv auf beiden Guard-Positionen spielen. Außerdem gilt er als korbgefährlicher als sein Vorgänger.

Im Gegensatz zu diesem besitzt er jedoch keinerlei internationale Erfahrung, dürfte deshalb auch weniger kosten. Baldi legt Wert darauf, dass „er kein Sparmodell ist“. Collins, der auf den Spitznamen „DC“ hört, besaß Angebote aus Italien und Spanien, entschied sich jedoch für Alba, um auch in der Euroleague etwas leisten zu können. „Er ist hungrig“, stellte Baldi fest. Ein Charakterzug, der den Spielern von Alba Berlin im vergangenen Jahr lange Zeit gefehlt hatte.

Fehlt noch die Unterschrift von Marko Pesic, dann hätte Alba seinen Backcourt zusammen. Schwieriger gestalten sich die Verhandlungen auf den großen Positionen. „Der Markt in Europa ist sehr eng“, sagt der Vizepräsident, „die Centerposition ist die schwierigste Aufgabe.“ Nach wie vor versucht der Klub, Dejan Koturovic zu halten. Auf der Position des Power Forwards wird noch ein Nachfolger für Wendell Alexis gesucht. Bis zum Trainingsbeginn am 15. August möchte Alba das neue Team gefunden haben. Baldi sagt: „Wenn es sein muss, kann es auch ein bisschen später werden.“

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