Sport : Die Narben werden bleiben

von

Im Nachhinein ist es wirklich erstaunlich, wie naiv sie beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) doch gewesen sind. Menschen, die sich seit Jahren, ach was, Jahrzehnten im öffentlichen Raum bewegen, scheinen allen Ernstes gedacht zu haben: Wir unterbrechen jetzt mal eben die Verhandlungen über die Zukunft des Bundestrainers Joachim Löw auf unbestimmte Zeit, geben ein kurzes Statement für die Presse ab, und wenn die WM in fünf Monaten zu Ende gespielt ist, machen wir einfach da weiter, wo wir gerade aufgehört haben.

Wie weltfremd das ist, hat das Wochenende gezeigt, an dem sich alle Beteiligten beider Seiten mehr oder weniger ausführlich zu der delikaten Angelegenheit geäußert haben. Der gute Wille mag niemandem abzusprechen sein, herausgekommen aber ist genau das Gegenteil dessen, was eigentlich intendiert war. Mit jeder Aussage wurden die Verwerfungen nur noch schlimmer. Insofern ist es höchst begrüßenswert, dass Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach auf der einen Seite sowie Joachim Löw und Oliver Bierhoff auf der anderen nun ihr Schweigen untereinander durchbrochen haben. Die wichtigste Botschaft aus der Frankfurter Verbandszentrale lautet: Wir sprechen wieder – miteinander, nicht übereinander.

Das Bedauern aller Beteiligten war glaubhaft, gerade weil sie nicht auf heile Welt gemacht haben, sondern die gegenseitigen Verletzungen offen angesprochen haben. Die Wunden sind tief, die Narben werden bleiben. Spannend ist die Frage, ob sie künftig noch schmerzen werden. Denn auch wenn der Verständigungsfrieden von Frankfurt am Main dem Bundestrainer eine halbwegs ungestörte Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft erlaubt – die Möglichkeit, dass seine Zusammenarbeit mit dem DFB nach dem Turnier endet, ist nach wie vor gegeben. Oder etwas positiver formuliert: Die Möglichkeit, dass es nach der WM weiter geht, ist nun zumindest nicht mehr vollkommen ausgeschlossen.Seite 19

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben