Sport : Die Nebel von Oberhof

Erneut beeinträchtigt das Wetter die Biathlon-WM und verschiebt das Einzelrennen der Männer auf heute

Helen Ruwald

Oberhof. Er geht, er kommt, er geht, er kommt … Der Nebel trieb gestern sein Spielchen in Oberhof. Um 13 Uhr verdeckte er das Stadion, eine Viertelstunde später verabschiedete er sich wieder. Das Einzelrennen der Männer über 20 Kilometer schien nicht in Gefahr zu sein. Fünf Minuten später war abermals nichts zu sehen. Das Rennen wurde mehrfach verschoben, ein Nachtrennen angedacht – ehe der Weltverband IBU den Wettbewerb auf heute 10 Uhr verlegte. Nachmittags findet dann das Staffelrennen der Frauen statt. „Eine absolut richtige Entscheidung“, sagte Ricco Groß, der bei dieser WM je einmal Silber und Bronze gewonnen hat. „Man merkt, dass die IBU dazugelernt hat, weil sie das Rennen nicht aufgenommen und dann abgebrochen hat.“ Bundestrainer Frank Ullrich ging es darum, „den Motor auf Betriebstemperatur zu halten“. Er schickte seine Athleten sofort nach der Absage zum Training.

Seit Beginn der Weltmeisterschaft am Samstag kämpfen die Sportler mit dem Wetter. Zunächst war es zu warm, der Schnee tief und nass. Dann jammerten die Athleten über die „Windlotterie“ am Schießstand. Windböen schreckten die einen und verschonten die anderen. Nun also ist es der Nebel. „Beim Schießen sieht man kein schwarzes Schild, sondern fast nur einen Schatten“, erzählte Katrin Apel nach dem Morgentraining. Beim Einzelwettbewerb sind die Ergebnisse am Schießstand besonders wichtig, weil es keine Strafrunden, sondern Strafminuten gibt. Bei der WM 2000 in Oslo war zuletzt ein Wettkampf wegen Nebels abgebrochen worden. Ricco Groß, der Schlussläufer der deutschen Staffel, lag deutlich in Führung, als er plötzlich nichts mehr sehen konnte. Das Rennen wurde wiederholt, statt Gold holten die Deutschen Bronze.

Heute kämpft Groß um seine dritte Medaille in Oberhof. Außer ihm starten Sven Fischer und erstmals Alexander Wolf und Andreas Birnbacher. Peter Sendel hatte im Verfolgungsrennen als 41. enttäuscht, Michael Greis, der mit Rang fünf und neun starke Ergebnisse erzielt hatte, bat um eine Verschnaufpause und will sich für die Staffel schonen. Der zuletzt schwache mehrfache Weltmeister Frank Luck, der aus Oberhof stammt, ist erneut nicht am Start – und wird damit vermutlich bei der WM in seinem Abschiedsjahr gar nicht zum Einsatz kommen.

Laut Wetterbericht soll es heute klare Sicht geben, kündigt Wettkampfleiter Norbert Baier an. „Allerdings war für Mittwoch auch Sonnenschein angesagt.“

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