Sport : Die neue Freude am Spiel

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Von Christoph Daum

Wir erleben eine Weltmeisterschaft der Überraschungen. Dazu gehört auch, dass im Halbfinale Mannschaften aus drei verschiedenen Kontinenten spielen - Ausdruck der Globalisierung des Fußballs. Für manche ist dies auch eine WM der Enttäuschungen. Viele Favoriten sind früh ausgeschieden, und das Viertelfinale war spielerisch nicht auf einem hohen Niveau. Aber jeder hat die Chance, aus dem bisherigen Verlauf seine Lehren zu ziehen.

Die alte Fußballwelt könnte erkennen, dass übertriebenes Sicherheitsdenken und Taktieren allein nicht mehr weiterhelfen. Die vermeintlichen Außenseiter haben ihren Respekt abgelegt vor den großen n, deren Erfolge ja zum Teil auch schon Jahre und somit einige Fußballer-Generationen zurückliegen. Und sie haben gezeigt: Bei den etablierten Nationalteams stimmt etwas nicht. Anders wäre es kaum möglich, dass sich Mannschaften mit nur durchschnittlichen technischen und taktischen Mitteln, aber mit viel Begeisterung und Athletik durchsetzen können. Dazu kommt: Das Spiel der siegreichen Außenseiter sieht meistens auch noch schöner aus als das der geschlagenen Favoriten. Wer nur ökonomisch spielen will, opfert die Attraktivität.

Der algerische Trainer Rachid Mekhloufi hat vor einiger Zeit über den Fußball in Europa und Südamerika sinngemäß gesagt: Die Stars aus Europa und Südamerika sind zunächst Geschäftsleute, dann erst Fußballer. Einfacher, geradliniger Fußball aus Freude am Spiel ist das Geheimnis der aufstrebenden Fußballnationen aus Asien und Afrika. Da ist etwas dran. Jeder weiß, dass Fußball ein weltweites Geschäft ist. Was oft fehlt, ist die Einsicht, dass sich jeder Spieler, jeder Trainer ständig verbessern und immer das Optimale zu leisten bereit sein muss. Stattdessen wird die Schuld für Fehlleistungen erst einmal auf andere oder die Umstände abgewälzt, werden Ausreden gesucht und die gleichen belanglosen Floskeln wieder und wieder gebraucht. Immerhin erleben wir jetzt einen weiteren wirtschaftlichen Prozess, wenn auch, im Sinne der bisherigen großen Teams, einen eher ungewollten: Die neue Konkurrenz belebt das Geschäft.

Der Fußballlehrer Christoph Daum analysiert an dieser Stelle täglich die WM.

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