Sport : Die neue Gelassenheit

Skispringer zeigen sich allen Aufgaben gewachsen

Benedikt Voigt

Oberstdorf - Vielleicht hat er den umstrittenen PR-Termin am Dienstagabend in der altehrwürdigen Villa Jauss im Oberstdorfer Kurpark nicht verkraftet. Dort musste der Skispringer Georg Späth auf Anweisung eines Sponsors mit drei Helfern das Wies’n-Playmate 2004 für Fotografen auf Händen tragen. Für weitere Bilder tat der schüchterne 24-Jährige so, als würde er den Bauch der nur mit einem Bikini bewehrten Dame bemalen. Am nächsten Tag kränkelte Späth.

Andererseits muss der Termin mit der jungen Dame nicht unbedingt ursächlich für Späths leichte Erkältung sein, zumal sein Teamkollege Martin Schmitt ebenfalls an einer solchen leidet – und dieser hat nicht mit einem Filzstift auf Bauchhöhe eines Playmates herumgefuchtelt. Beide konnten trotz ihrer leichten Erkältung in der gestrigen Qualifikation für das heutige Einzelspringen auf der Großschanze (17 Uhr, live im ZDF) bei der Nordischen Skiweltmeisterschaft antreten. Schmitt flog 129 Meter weit, Späth kam nur auf 97,5 Meter. Michael Uhrmann (128,5 m) und Jörg Ritzerfeld (126 m) ergänzten das deutsche Aufgebot.

Die Situation unter den deutschen Spezialspringern hat sich sehr entspannt, seit sie pflichtgemäß im Mannschaftsspringen zu einer Silbermedaille geflogen sind. „Aber damit ist der Job noch nicht erledigt“, sagte Bundestrainer Peter Rohwein, „wir hören jetzt nicht auf zu springen.“ Ausgerechnet auf den beiden kränkelnden Springern ruhen seine Hoffnungen, vielleicht noch eine weitere Medaille einsammeln zu können. Dann wäre diese Weltmeisterschaft für die deutschen Spezialspringer endgültig als Erfolg zu werten. „Aber es können acht bis zehn Springer gewinnen“, sagte der deutsche Bundestrainer. Rok Benkovic, Weltmeister auf der Normalschanze, gesellt sich nun zu den Favoriten, dem Finnen Janne Ahonen, dem Tschechen Jakub Janda und dem Österreicher Martin Höllwarth.

Doch auch die Leistungskurve von Martin Schmitt gilt nach Platz zwölf auf der Normalschanze und einer guten Leistung im Mannschaftsspringen als aufsteigend. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich im Winter noch in so eine Form komme“, sagte der 27-Jährige. Drei Jahre lang hatte der ehemalige Weltmeister und Olympiasieger gerätselt, woran es gelegen hat. „Schmitt ist für mich die größte Überraschung bei dieser WM“, sagte Detlef Braun, Sportwart des Deutschen Skiverbandes. „Er hat hart um sein Comeback gekämpft, jetzt staunen wir mit.“

Doch Schmitt muss nun zeigen, dass er auch konstant gute Leistungen bringen kann. Bei der Vierschanzentournee hatte er sich nach einem siebten Platz in Innsbruck nicht für das Springen in Bischofshofen qualifizieren können. Das, glaubt Schmitt, wird ihm jetzt nicht mehr passieren: „Das Selbstbewusstsein ist wieder zurück.“ Auch DSV-Sportwart Braun glaubt: „Das war noch nicht alles, was wir von Martin gesehen haben.“

Star im deutschen Team ist aber in diesen Tagen Georg Späth. Was auch damit zusammenhängt, dass sein Elternhaus nur wenige Meter entfernt liegt. Der Oberstdorfer hetzte nach der Silbermedaille vom Sonntag von Termin zu Termin. Der Ruhigste unter den deutschen Springern hat sich zum Medienprofi entwickelt und lässt selbst so kuriose Termine wie jenen mit dem Playmate, das mit Sponsorenlogos bemalt ist, gelassen über sich ergehen.

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