Sport : Die neue Geselligkeit des Egozentrikers

Franck Ribéry spürt die Unterstützung von Trainer Jupp Heynckes und zeigt sich von einer anderen Seite

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Gut aufgelegt. Bayerns Franck Ribéry (l.) stellt sich am letzten Tag des Bayern-Trainingslagers am Gardasee ans DJ-Pult. Der Franzose freut sich auf die Zusammenarbeit mit Trainer Jupp Heynckes und das Zusammenspiel mit Philipp Lahm. Foto: dapd
Gut aufgelegt. Bayerns Franck Ribéry (l.) stellt sich am letzten Tag des Bayern-Trainingslagers am Gardasee ans DJ-Pult. Der...Foto: dapd

Ob er in den vergangenen zwei Jahren auch einmal an Abschied gedacht hat? Natürlich hat er, jedes Kind weiß, wie unwohl er sich unter Louis van Gaal fühlte – und Franck Ribéry selbst weiß es am besten. Trotzdem weicht er bei der Frage aus, und das hat nichts damit zu tun, dass er seine Interviews inzwischen auf Deutsch gibt. Denn der Franzose beherrscht dieses Biest von Sprache inzwischen recht flüssig, nach vier Jahren beim FC Bayern. „Es war sehr schwer mit van Gaal, aber das ist nicht entscheidend“, sagt Ribéry also und macht ein Päuschen. „Jetzt bin ich sehr froh.“

Dafür gibt es mehrere Gründe. Einer ist der Trainerwechsel. „Der Kontakt ist jetzt sehr gut. Ich habe ihm gesagt, dass ich sein Vertrauen brauche. Und er hat gesagt, dass er es mir gibt“, sagt Ribéry über Jupp Heynckes. „Jetzt ist mein Kopf locker und frei.“ Der neue Trainer macht gelegentlich bei Gymnastikübungen auf dem Trainingsplatz mit, „um im Alter mobil zu bleiben“, wie Heynckes sagt. Ribéry findet das gar „motivierend“. Und der Trainer lobt seinen Spieler denn auch, dass er bisher sehr angetan sei von den Trainingsleistungen des wohl kapriziösesten Akteurs im Bayernkader.

Ein anderer Grund zur Freude ist die gute körperliche Verfassung des 28-Jährigen. „Die letzten zwei, drei Jahre war ich immer allein in der Vorbereitung“, erzählt er. Verletzung hier, Entzündung da, es war ein ewiges Kreuz. Ribéry ist zwar ein Egozentriker, aber auch ein geselliger Mensch. Und deshalb hat er die anstrengende Woche des Trainingslagers am Gardasee, das am Samstag mit einem Testspiel gegen Katar (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe) endete, mehr genossen als die meisten seiner Mannschaftskameraden.

Aus diesen Vorzeichen leiten sich auch besondere Erwartungen ab. „Ich will eine große Saison spielen“, sagt Ribéry. Endlich, könnte man sagen. Denn obwohl er es in der vergangenen Saison auf 24 Scorerpunkte in der Liga brachte, war der Gesamteindruck durchwachsen. Insgesamt hat Ribéry in seinen vier Jahren an der Säbener Straße zu wenig aus seinem gewaltigen Talent gemacht. Verletzungen hemmten ihn, aber auch die Eskapaden rund um minderjährige Prostituierte, das WM-Chaos von 2010 und seinen Hang zur Lustlosigkeit, wenn die Dinge nicht nach seinem Geschmack laufen. Doch die Bayern haben die Geduld behalten, insbesondere Präsident Uli Hoeneß hat Ribéry immer unterstützt.

Spielerisch bringt die kommende Saison eine Rückkehr zu Bewährtem für Ribéry. Er wird wieder Philipp Lahm hinter sich wissen, weil der von rechten zurück auf die linke Abwehrseite wechselt. In München erinnern sie sich gern an die Jahre 2007 und 2008, als so gut wie alle Offensivaktionen über diese Achse liefen. „Zuletzt mit Pranjic und Badstuber war es nicht leicht für mich“, sagt Ribéry, „aber bei Philipp kann ich mit geschlossenen Augen spielen.“

Lahm erwidert die Liebeserklärung etwas reservierter. „Klar freue ich mich auf Franck, aber ich habe mich auch hinter Arjen wohlgefühlt.“ Seinen Wechsel beschreibt Kapitän Lahm ebenso nüchtern: „Ich kann rechts besser verteidigen, aber links kann ich mich mehr nach vorn einbringen.“

Ganz so dominant dürften die beiden gleichwohl nicht mehr werden. Denn rechts wird Heynckes Arjen Robben, der auch erstmals eine ganze Sommervorbereitung mit den Bayern absolviert, und Zugang Rafinha aufbieten. Wenn alles nach Plan läuft – und davon gehen sie beim zur Ruhe gekommenen Rekordmeister aus –, können die Münchner künftig die Bundesliga in einem festen Zangengriff halten.

Grundbedingung dafür ist, dass sich auch Ribéry und Robben endlich systematisch am Defensivspiel beteiligen. Die beiden Freigeister haben das hoch und heilig versprochen. Das hat Ribéry allerdings schon öfter getan und gleich wieder vergessen. Aber Heynckes lässt keinen Zweifel daran, dass eine stabile Grundordnung höchste Priorität habe und dass Ribéry „sich wie jeder andere integrieren muss“. Und wenn er das nicht tut, wird er schnell merken, wie flüchtig Vertrauen sein kann. Denn er hat einen Trainer, der sich nicht scheut, große Namen auch einmal auf die Bank zu verbannen.

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