Sport : Die neue Lust an der alten Aufgabe

Eduard Geyer hat sich mit seiner Arbeit arrangiert – nun scheint der Klassenerhalt möglich

Daniel Pontzen

Berlin . Es ist nicht so, dass Eduard Geyer ein Faible dafür hat, als Stimmungstöter jede Hoffnung zu zertrümmern, auch wenn es manchmal den Anschein hat. „Ich bin Realist genug“, sagt Geyer, „um einzuschätzen, dass wir die Hilfe der anderen brauchen“ – Hilfe, um das vor einiger Zeit etwas voreilig zu Grabe getragene Vorhaben, den Verbleib in Deutschlands bester Fußballliga, doch noch zu verwirklichen. Das 2:1 gegen Bochum am Samstag war Energies zweiter Sieg in Folge – einer solchen Serie hat man sich in der Lausitz in dieser Saison noch nicht erfreuen können – bloß vier Punkte trennen Energie noch von einem Nicht-Abstiegsplatz, und doch nimmt sich Geyers Optimismus bescheiden aus. „Wir müssen erst mal abwarten, was in den nächsten Wochen passiert.“

Eduard Geyer, 58, hat es sich abgewöhnt, auf kurzfristige Entwicklungen hektisch zu reagieren. Nach einer zermürbend lang erfolglosen Zeit hatte Geyer im Herbst seinen Abschied in Cottbus in Aussicht gestellt, und eine Zeit lang gab es nicht viele, die daran glaubten, Geyer würde bis zum Saisonende seine Arbeit weiterführen. Der Mann wirkte ausgezehrt vom Misserfolg, geschlagen von der Aussichtslosigkeit seiner Mission. Für die kommende Saison werde er nicht mehr zur Verfügung stehen, versicherte er also, er suche nach einer neuen Aufgabe, endgültig.

Inzwischen klingen seine Sätze anders. „Man darf sich von der Öffentlichkeit nicht zu schnell von seinem Weg abbringen lassen, man darf nicht den Kopf verlieren.“ Geyer hat seinen Kopf behalten, und Anfang Januar hat er seine Entscheidung revidiert und seinen Vertrag gleich bis Juni 2004 verlängert. „Wichtig ist, dass man kontinuierlich arbeitet“, sagt Geyer nun, und es scheint, als trage die neue Entschlossenheit früher Früchte als erwartet. „Hut ab vor der Trainerleistung“, lobte Bochums Trainer Peter Neururer, „Geyer hat hier aus den gleichen Leuten eine ganz neue Mannschaft gemacht.“

Dass Geyer für klare Verhältnisse gesorgt hat in der Debatte um seine Person, hängt damit zusammen. „Für den Verein ist es gut, dass man nun planen kann und wir alle zusammen an einem Strang ziehen“, sagt Torwart André Lenz. Auf einmal ist wieder Leben in der Mannschaft. „Die Einstellung ist wieder da, die uns in den letzten Jahren so stark gemacht hat“, sagt Geyer. Zudem hat Energie im Wintertrainingslager mit der Viererkette eine taktische Ausrichtung einstudiert, die es ermöglicht, selbst mehr Einfluss auf das Spiel zu nehmen – mit Erfolg, wie sich schon beim 3:0 in Leverkusen zeigte.

Dass die Zuversicht dennoch nicht restlos Besitz ergriffen hat von Geyer, liegt daran, dass in Cottbus alles immer ein wenig schwieriger ist. „Andere Vereine würden nun noch mal ein oder zwei Spieler verpflichten“, sagt Geyer nüchtern, „wir müssen stattdessen unsere Spieler an die Konkurrenz abgeben.“ Radoslaw Kaluzny war vergangene Woche nach Leverkusen gewechselt. „Das ist nicht angenehm, aber wir müssen das einsehen. Die Lizenz ist wichtiger als ein einzelner Spieler.“ Immerhin konnte Cottbus mit der erlösten Summe in Höhe von 1,5 Millionen Euro die entstandene Etat-Lücke füllen.

Geyer denkt schon an die nächste Aufgabe. „Wir müssen in Rostock eine Mannschaft stellen, die dort gewinnen kann.“ Sollte es bei Hansa mit dem dritten Sieg in Folge klappen, könnte im nächsten Heimspiel gegen Hannover sogar erstmals der Sprung auf einen Nicht-Abstiegsplatz gelingen. In diesem Jahr ist Energie bislang das erfolgreichste Team. „Von mir aus kann das noch eine Zeit lang so bleiben“, sagt Geyer.

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