Sport : Die neue Lustlosigkeit

Benedikt Voigt

Berlin. Die Körperhaltung von Emir Mutapcic sprach für sich. Auf dem Podium vor der bunten Sponsorenwand stützte der Basketballtrainer seinen Kopf erst in der linken Hand ab, dann nahm er auch die rechte Hand als Stütze zu Hilfe. Schließlich hielt er beide Handflächen an die Wangen und verbarg sein Gesicht darin. Au Backe, konnte das eigentlich nur bedeuten.

Es war eine besondere Niederlage, die Alba Berlin in der Euroleague beim 69:88 gegen Olympiakos Piräus bezogen hatte, es war eine Premiere. "Zum ersten Mal, seit ich Cheftrainer bei Alba bin, haben wir nicht als Team gekämpft", ärgerte sich Mutapcic, "das ist sehr gefährlich für unsere Zukunft in der Bundesliga und der Euroleague." Hatte Alba Berlin früher bei Heimniederlagen in der Europaliga im letzten Viertel die Möglichkeit zu gewinnen, so gaben die Spieler des Deutschen Meisters diesmal frühzeitig auf. Das ist neu.

Allerdings mühten sich die Spieler von Alba Berlin mit einigen Problemen ab. Mit Stefano Garris und Henrik Rödl fehlten zwei Nationalspieler, die vielleicht die Kreise des überragenden Aufbauspielers Alphonso Ford (28 Punkte, 5 Rebounds) eingeschränkt hätten. Der verletzte Mithat Demirel hätte den vor allem in der ersten Halbzeit überforderten Derrick Phelps (15 Punkte) im Spielaufbau entlasten können. Auch war es das vierte Spiel in sieben Tagen, doch erklärt diese Belastung, warum außer Marko Pesic(23 Punkte, 4 Rebounds) kein Spieler Normalform erreichte?

"Wir haben wenigstens ein bisschen gekämpft", glaubt Marko Pesic. Ein bisschen reichte aber nicht gegen eine europäische Spitzenmannschaft, die ausgeglichen besetzt war. Vor der Partie hatte sich Mutapcic noch einen Vorteil unter dem Korb erhofft, doch es kam ganz anders. George Zidek erzielte seine einzigen drei Punkte mit einem Distanzwurf, unter dem Korb hatte er in 20 Minuten keinen einzigen Punkt erzielt und sich nur einen Rebound gesichert. Sein Vorgänger Dejan Koturovic hatte mehr Präsenz unter dem Korb ausgestrahlt. "Es ist noch zu früh, die beiden zu vergleichen", sagte Bundestrainer Henrik Dettmann. Mit 26 zu 38 hatte Alba jedoch das Duell um die Rebounds klar verloren. Auch die Wurfquote blieb mit 35 Prozent bescheiden.

Alba findet sich nach dem zweiten Spieltag der Euroleague am Ende der Tabelle der Gruppe A wieder. Das kommt nicht unbedingt überraschend, denn Olympiakos Piräus und Maccabi Tel Aviv sind nur schwer zu schlagen und zählen zu den Favoriten auf den Titel. Trotzdem wird es immer schwieriger, den vierten Platz zu erreichen, der zur Teilnahme an den Play-offs berechtigt. Olympiakos-Trainer Ilias Zouros machte Alba Hoffnung: "In dieser Gruppe kann niemand ein Ergebnis voraussagen, jede Mannschaft kann jede schlagen."

Trainer Emir Mutapcic hatte sich jedoch schon überlegt, wie sich seine Mannschaft in Zukunft steigern kann. Am Samstag reisen die Berliner in der Bundesliga zu Herzogtel Trier, am Mittwoch wartet mit dem Auswärtsspiel bei Efes Pilsen Istanbul die nächste Hürde in der Euroleague. Punkt eins von Trainer Mutapcic sieht vor: "Wir müssen alles analysieren, was in den letzten sieben Tagen passiert ist." Da zählt auch die umstrittene Reise nach Tel Aviv hinzu. Der zweite Punkt behandelt das Gesundwerden der drei verletzten Spieler. "Wir brauchen wieder einen starken Wettbewerb innerhalb der Mannschaft", sagt der Coach. "Drittens, wir brauchen wieder den richtigen Spirit, das war unsere Qualität im letzten Jahr." Mutapcic hatte diesen Dreipunkteplan schon eine halbe Stunde nach dem Spiel auf der Pressekonferenz präsentiert. Damit zeigte er sich kämpferischer als seine gesamte Mannschaft im Spiel zuvor.

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