Sport : Die neue Mitte

Mit verbesserter Taktik holt Alba Berlin den Heimvorteil im Finale zurück

Benedikt Voigt[Köln]

Für gewöhnlich dauert es einige Zeit, bis sich nach einem Basketballspiel die Anspannung bei Henrik Rödl löst. Nach Niederlagen ist der introvertierte Trainer von Alba Berlin auch eine Stunde später nur schwer ansprechbar. Am Donnerstagabend im Energy-Dome muss folglich etwas außergewöhnlich Erfreuliches passiert sein, Rödl erlaubte sich schon kurz nach der Schlusssirene vor der Umkleidekabine einen Scherz. Über den Kommentar eines Journalisten, dass nun das Finale um die Deutsche Meisterschaft am Dienstag entschieden sein kann, spottete Rödl: „Sie können gut rechnen.“ Und grinste.

Die Erleichterung war groß bei den Verantwortlichen von Alba Berlin. Nach dem 69:64 in einem fehlerreichen und dramatischen zweiten Finalspiel um die deutsche Meisterschaft ist die Finalserie nach dem Modus „Best of five“ ausgeglichen (1:1). „Jetzt geht es von vorne los“, sagte Rödl, „die Serie ist nur kürzer.“ Zwei Siege benötigt der Meister des Jahres 2006 noch, und die Chancen stehen gut, dass sein Name Alba Berlin lauten wird. Die Berliner haben sich den Heimvorteil zurückerobert, mit einem Erfolg am Pfingstsonntag in der Schmeling-Halle (19 Uhr, live bei Premiere) können sie einen großen Schritt in Richtung achter Meistertitel machen. Das vierte Spiel findet am Dienstag (20 Uhr, live bei Premiere) in Köln statt. Was zur Freude bei Albas Verantwortlichen beitrug: Die Berliner haben ein Rezept gefunden, wie sie ohne den verletzten Centerspieler Jovo Stanojevic erfolgreich sein können.

„Wir sind jetzt eine andere Mannschaft“, sagt Rödl. Das Post-Stanojevic-Team zeichnet sich nicht mehr durch Tempospiel und einer Ausbeute jenseits der 100-Punkte-Marke aus. „Das liegt auch daran, dass wir nicht mehr in der vierten Woche der Saison sind“, sagt Rödl. Es lag an der intensiven Kölner Verteidigung, dass Albas Nationalspieler Demond Greene und Mike Penberthy kaum zum Wurf kamen. Hollis Price, der 37 Minuten lang spielte und mit 17 Punkten bester Berliner war, musste im Aufbau von Mike Penberthy und Luke Whitehead entlastet werden. Weil sich die kleinen Spieler beider Teams neutralisierten, entdeckte Alba das Erfolgsgeheimnis ausgerechnet dort, wo der wichtigste Mann fehlt: in der Zonenmitte unter den Körben.

Dort leistete Stephen Arigbabu mit sieben Punkten in knapp zwölf Minuten einen wichtigen Beitrag, Sharrod Ford und der fleißigen Quadre Lollis (jeweils 14 Punkte) brachten die Kölner Centerspieler frühzeitig in Foulprobleme. „Das hat das Spiel entschieden“, sagte Kölns Trainer Sascha Obradovic. Seit dem 19. November hatte Köln nicht mehr zu Hause verloren, doch Alba zeigte sich unbeeindruckt. „Wir haben in dieser Saison im Pokal in Bremerhaven und Bamberg wichtige Auswärtssiege gehabt“, sagte Rödl, „das gab uns Selbstvertrauen.“

Vielleicht hat auch Justus Strauven einen Teil zum Erfolg beigetragen. Albas PR-Manager malträtierte das Handy des ehemaligen Berliners Guido Grünheid vor dem Spiel mit scherzhaften SMS in zweistelliger Zahl, deren Inhalt man auf dem Spielfeld als Trash-Talk bezeichnen würde. Anschließend erzielte der Kölner keinen einzigen Punkt.

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