Sport : Die neue Normalität

Benedikt Voigt

über Alba Berlin und gewisse Personalentscheidungen Eigentlich ist es ein normaler Vorgang im Sport: Ein Verein hat sportlich keinen Erfolg, er wechselt den Trainer aus, der Kotrainer übernimmt. Bemerkenswert aber ist es, wenn es sich um einen Trainerwechsel beim Basketballklub Alba Berlin handelt. Das ist jener Verein, dessen Präsident diese Maßnahme noch 20 Stunden vor der Trennung von Emir Mutapcic als Fußballermarotte abgetan hatte. Der gesagt hat, er werde sich umso mehr hinter den Trainer stellen, je mehr ihm von außen eine Trainerdebatte aufgezwungen werde. Jener Klub also, der in 14 Jahren erst drei hauptverantwortliche Trainer beschäftigt hat. Henrik Rödl, der Neue, ist Trainer Nummer vier.

Der für Alba Berlin ungewöhnliche Vorgang zeigt, wie groß die Not ist. Immer noch verfügt der Klub in Deutschland über den höchsten Etat, die professionellste Organisation, die beste Halle. Doch die sportlichen Ergebnisse stimmten nicht mehr. Das Ausscheiden im Uleb-Cup wog besonders schwer, weil sich Alba stets als europäischer Spitzenklub verstanden hat und nun nicht einmal in der Lage war, sich in Europas zweiter Liga durchzusetzen. Europapokalabende in der Max-Schmeling-Halle sind längst keine außergewöhnlichen Ereignisse mehr. Setzt sich der sportliche Niedergang fort, droht Alba auch national ein Klub unter vielen zu werden. Die Folge: Das ehrgeizige Ziel, sich gesamtgesellschaftlich in der Stadt Berlin zu verankern, würde in große Ferne rücken.

Nun haben Trainer Emir Mutapcic und der Verein die Konsequenzen gezogen. Der Bosnier gehörte seit 1991 dem Verein an, seine Verdienste sind groß. Wahrscheinlich wird Alba Berlin nie wieder einen Trainer finden, der sich so sehr mit diesem Klub identifiziert – trotzdem oder gerade deshalb hatte sich sein Führungsstil überholt. Zuletzt hat er das Team nicht mehr erreicht, es fehlte nun schon im zweiten Jahr an Mut, Ideen, Leidenschaft. Nach der erfolglosen vergangenen Saison hat der Klub die Schuld noch bei der Mannschaft gesucht und sechs Spieler ausgetauscht. Nun kam er am Trainer nicht mehr vorbei.

Es gibt Gesetzmäßigkeiten im Sport, die für alle gelten. Sogar für Alba Berlin.

0 Kommentare

Neuester Kommentar