Sport : Die neue Zukunft

Erik Zabel verlässt nach 13 Jahren T-Mobile – der 35-jährige Sprinter will mit einem anderen Team zurück zur Tour de France

Hartmut Scherzer[Hamburg]

Obwohl Erik Zabel die Entscheidung erst nach den Cyclassics bekannt geben wollte, war das Rätseln über seine sportliche Zukunft spannender als das Rennen, an dem er und sein Mannschaftskollege Jan Ullrich gestern in Hamburg teilnahmen. Mit der Entscheidung um den Sieg hatten die beiden deutschen Radstars dann auch nichts zu tun. Die Nachricht des Tages war die Entscheidung Zabels, das T-Mobile-Team nach 13 Jahren zum Ende dieser Saison zu verlassen.

Wohin er wechselt und „neue sportliche Perspektiven“ sieht, verriet Zabel nicht. Der 35-Jährige sagte lediglich, dass er bei seinem neuen Team einen Dreijahresvertrag mit einer Startgarantie für die Tour de France bekomme. Er habe von T-Mobile-Teammanager Olaf Ludwig, der den Bonner Rennstall in der kommenden Saison von Walter Godefroot übernehmen wird, „ein gutes Angebot“ bekommen. „Doch die finanziellen Dinge waren nicht ausschlaggebend“, sagte Zabel. Olaf Ludwig bedauert diesen Ausgang der Verhandlungen.

Der italienische Rennstall Domina Vacanze, so wird spekuliert, könnte Zabels neues Team sein. Domina Vacanze ist ein Ferien- und Freizeitveranstalter. Daher würde es passen, wenn Zabel, wie es heißt, den Reisekonzern TUI als künftigen Sponsorpartner mitbringt. Die Mannschaft hat bereits den Sprintstar Alessandro Petacchi für die kommende Saison unter Vertrag genommen. Man könnte kollegial aufteilen: der Giro d’Italia für den Italiener, die Tour de France für den Deutschen. Zu welchem Team Zabel wechselt, will er bis zum 1. September bekannt geben.

Eine Stunde vor seiner Erklärung war Zabel dreißig Sekunden hinter einer 15-köpfigen Spitzengruppe als 16. ins Ziel gekommen. Den Sprint der Spitzengruppe gewann nach 250,5 Rennkilometern bei Wind und Regen der Italiener Filippo Pozzato vor seinem Landsmann Luca Paolini. Dritter wurde der Australier Allen Davis. Zu der Gruppe, die sich 15 Kilometer vor dem Ziel an der Steigung Waseberg von den anderen Fahren abgesetzt hatte, gehörte auch Jan Ullrich. Im Spurt auf der Zielgeraden hatte der T-Mobile-Kapitän dann aber keine Chance, er wurde Zwölfter. „Ich hatte gehofft, dass Erik noch vorne dabei ist. Zum Schluss im Sprint waren meine Beine zu lahmarschig“, sagte Ullrich. Später, nachdem Zabel seinen Weggang verkündet hatte, fügte Ullrich hinzu: „Ich bin traurig, dass Erik geht.“

Nach Alexander Winokurow verlässt nun in Zabel ein zweiter populärer Siegfahrer, Leistungs- und Sympathieträger das Team T-Mobile. Hauptgrund für die überraschende Trennung dürfte die maßlose Enttäuschung des Sprinters darüber sein, dass er nach elf Jahren in dieser Saison erstmals nicht für die Tour de France nominiert worden war. Radfahren müsse ihm noch Spaß machen, hatte der Ausgebootete zuletzt missmutig verlauten lassen.

Der Berliner mit Wohnsitz Unna war 1993 nach dem vierten Platz bei den Olympischen Spielen in Barcelona beim damaligen Team Telekom Profi geworden. Mit 192 ersten Plätzen in 13 Jahren ist der Sprinter der mit Abstand siegreichste Fahrer der Bonner Mannschaft. In seiner Erfolgsliste stehen unter anderem acht Klassiker-Siege, zwölf Etappensiege und sechsmal der Gewinn des Grünen Trikots bei der Tour de France sowie die Vize-Weltmeisterschaft 2004. Vor zehn Jahren rettete Zabel mit seinen beiden ersten Etappensiegen bei der Tour de France den Fortbestand des Teams, das er nun verlässt. Wegen Erfolglosigkeit wollte sich damals Telekom als Sponsor zurückziehen.

Diese Saison wird Zabel noch für das inzwischen in T-Mobile umgetaufte Team zu Ende fahren, geplant sind unter anderem Starts bei der Spanien-Rundfahrt und der Straßen-Weltmeisterschaft Ende September in Madrid.

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