Sport : Die neuen Eisbären

Warum die Berliner so erfolgreich wie nie zuvor in die Eishockey-Saison gestartet sind

Claus Vetter

Berlin - Sieben Siege in acht Spielen haben die Eisbären in der noch jungen Saison in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) schon gefeiert. Die bislang beste Startbilanz der Berliner, die heute Abend Außenseiter EHC Straubing im Sportforum empfangen (Beginn 18.30 Uhr), hat mindestens sechs gute Gründe.

Der Trainer. Mit seiner ruhigen, souveränen Art hat Don Jackson bei den Eisbären vieles geordnet, was ihm sein Vorgänger Pierre Pagé ungeordnet hinterlassen hatte. Pagé hatte sich mit vielen Spielern zerstritten, seine Autorität in der Kabine hatte der Kanadier verloren. Jackson ist das Gegenstück zum oft aufgeregten Pagé, der US-Amerikaner stellt sich stets schützend vor seine Profis. Die sagen nun, dass die Stimmung in der Kabine so gut sei wie seit Jahren nicht mehr bei den Eisbären. Der neue Trainer hat für einen neuen Geist gesorgt – der zurzeit die Spieler offensichtlich motiviert.

Die Jugend. Die Eisbären leben in den ersten Wochen der Saison vor allem von ihren jungen deutschen Spielern, die so langsam reifer werden. Wer hätte gedacht, dass ein Alexander Weiß in den ersten Wochen mehr Tore schießt als der als Torjäger geholte Kanadier Nathan Robinson. Die vor ein paar Jahren intensivierte Arbeit mit dem Nachwuchs zahlt sich aus: Spieler wie Constantin Braun oder Jens Baxmann haben an Erfahrung gewonnen und übernehmen als junge Twens nun auch Verantwortung im Spiel. Ein Drittel aller Berliner Tore wurde bisher von den jungen deutschen Spielern erzielt, die von ihrer guten Physis zehren – sie hatten lang vor den älteren Profis mit dem Sommertraining begonnen.

Der Teamgeist. Ein so unausgegorenes Spiel wie das am Dienstag gegen die Düsseldorfer EG nach einem 5:6-Rückstand umzubiegen und in den letzten Spielminuten 7:6 zu gewinnen, das zeugt von Kampfgeist und harmonierender Mannschaft. Bislang haben die Eisbären knappe Spiele immer für sich entschieden – oft im letzten Drittel.

Die Ausgeglichenheit. 17 verschiedene Torschützen haben für die Eisbären in acht Spielen getroffen – das ist einmalig in der DEL. „Unsere Unausrechenbarkeit ist unsere Stärke“, sagt Manager Peter John Lee. „Der Gegner muss vor der vierten Sturmreihe genauso viel Respekt haben wie vor unserer ersten.“

Die Torhüter. In der vergangenen Saison war Youri Ziffzer die unumstrittene Nummer eins im Berliner Tor. Nun hat der 21 Jahre alte Torwart durch den 26-jährigen Kanadier Rob Zepp „eine Konkurrenz bekommen, die Ziffzer auf ein anderes Niveau gehoben hat“, wie Manager Peter John Lee beobachtet hat. Trainer Don Jackson lässt beide Torhüter im Wechsel spielen, bislang funktioniert es, große Aussetzer gab es weder bei Zepp noch bei Ziffzer.

Die Zukunft. Die neue Großarena am Ostbahnhof scheint schon eine Rolle bei den Eisbären zu spielen, auf jeden Fall tut sie das bei den Fans. Bislang waren alle Heimspiele der Berliner ausverkauft, das Interesse an dem Klub, der in einem Jahr in der O2-World vor über 14 000 Zuschauer spielen will, wächst – natürlich auch, weil die Marketingabteilung der Eisbären sich Mühe gibt.

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