Die Neuen kommen : Vorn wird’s eng beiden Eisbären

Durch die Verpflichtung der beiden NHL-Stars müssen andere Stürmer bei den Eisbären weichen.

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Bald nur Zuschauer? Jamie Arniel muss um Einsatzminuten kämpfen. Foto: dpa Foto: picture alliance / dpa
Bald nur Zuschauer? Jamie Arniel muss um Einsatzminuten kämpfen. Foto: dpaFoto: picture alliance / dpa

Seine Augen schauten müde in die Runde. Jamie Benn wirkte erschöpft, als er mit geschultertem Handtuch schwitzend über das zurückliegende Eishockeyspiel sprach. Was bitte schön war denn da auch passiert? In allerletzter Sekunde hatten die Hamburg Freezers eine 3:2-Führung vertrödelt und dann tatsächlich am Sonntag in der Arena am Ostbahnhof noch 3:4 nach Penaltyschießen verloren. „So etwas geht einfach nicht“, sagte Benn.

Willkommen in der Realität der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Wenn der Gegner nicht aufpasst, gewinnen am Ende immer die Eisbären. So wie am Sonntag gegen die Freezers. Um diese Erkenntnis ist nun auch Jamie Benn reicher, der Stürmer der Dallas Stars, der die Spielpause in der National Hockey-League (NHL) seit vergangener Woche in Hamburg überbrückt. Und das sei anstrengender als erwartet, sagt Benn. „Ich bin geradezu erstaunt von dem Niveau, das in der DEL gespielt wird.“ Mit halber Kraft gehe da gar nichts. Auch nicht für einen Star aus der NHL.

Aus dieser Kategorie haben sie bei den Eisbären nun gleich zwei verpflichtet. Daniel Briere und Claude Giroux kommen heute nach Berlin und sollen am Freitag spielen: Zwei Weltklassestürmer für eine Mannschaft, bei der es zuletzt im Sturm hervorragend lief. Acht Punkte haben die Eisbären in den vergangenen drei Spielen geholt, ein Aufwärtstrend nach mauem Saisonbeginn. „Ein Problem im Angriff haben wir nicht“, sagt Kapitän André Rankel.

Im Gegenteil: Nun werden einige Berliner Stürmer ein Problem bekommen. Briere und Giroux werden in einer der ersten beiden Reihen auflaufen, dafür müssen andere in der Hierarchie nach hinten rücken oder ganz aus dem Aufgebot weichen. Gegen die Freezers hatten die Berliner nur elf Stürmer, aber am Freitag ist Julian Talbot wieder fit: Das heißt 14 Angreifer und nur zwölf Plätze. Nach Lage der Dinge könnte es den jungen Deutschen Vincent Schlenker und den jungen Kanadier Jamie Arniel treffen – Letzterer hat vielleicht das Glück, dass er Center spielt. Nur wenn Briere und Giroux nicht in einer Reihe spielen und dann jeweils als Center aufgestellt werden, sinken seine Einsatzchancen. Und natürlich sind auch andere Varianten denkbar. Den bei Trainer Don Jackson weniger gut gelittenen Daniel Weiß könnte es ebenfalls treffen – womit die Eisbären dann auch von ihrer Linie, auf junge deutsche Spieler zu setzen, abkommen würden.

Aber das wird angesichts des Rummels um die beiden neuen Importe nur Randthema sein. Der Neu-Hamburger Benn glaubt schon, dass seine NHL-Kollegen den Eisbären weiterhelfen werden. „Ich habe schon oft gegen beide gespielt, sie werden den Berlinern weiterhelfen“, sagte Benn. „Allerdings sollte keiner glauben, dass die Eisbären mit Briere und Giroux unschlagbar werden. Dafür ist die Liga zu stark.“

Es wirkt schon wie ein böser Witz: Da läuft es endlich bei den Eisbären und trotzdem wird an der Mannschaft herumgebastelt. Frank Hördler sieht das allerdings nicht unbedingt als Nachteil. „Der Konkurrenzkampf belebt die Mannschaft, da können wir alle von profitieren“, sagt der Eisbären-Verteidiger. Auch wenn mancher seiner Kollegen die Kunststücke von Briere und Giroux womöglich nur von der Tribüne aus sehen wird.

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