Sport : Die neuen Platzreifen

Wie Golf sich zu einem Breitensport entwickeln will

Jörg Petrasch

Früher war das Image von Golf so: ältere, reiche Herren laufen gemächlich über der Golfplatz, unterhalten sich über dringliche Geschäfte oder die weltpolitische Lage. Ab und zu schlagen sie auch mal einen Ball ab, aber das war eher Nebensache. Nichts sprach dafür, dass sich das ändern würde. Trotzdem steigt die Zahl der Mitglieder, seit sie 1952 erfasst werden, jedes Jahr stetig an – mittlerweile auf 428 076. Golf etabliert sich langsam als Breitensport. Warum aber gerade Golf?

Anfang der Neunzigerjahre profitierte die Sportart noch von der Person Bernhard Langers. Der war zwar alles andere als schillernd, aber immerhin erfolgreich. Seit Langer aber nicht mehr zur absoluten Weltspitze gehört, bricht Golf trotzdem nicht ein – wie etwa Tennis ohne Becker und Graf. Die Golfspieler, vor allem die jüngeren, haben sich ein anderes, ein amerikanisches Idol gewählt. „Die Identifikation mit Tiger Woods hat viel zur Popularität in Deutschland beigetragen“, sagt Jessica Kutschera, Pressesprecherin von der Vereinigung clubfreier Golfspieler (VcG). Der 27-jährige Woods, der am Donnerstag bei den SAP-Open nahe Hamburg teilnimmt, dominiert seit einigen Jahren bei den Profigolfern und wird bei seinen Auftritten als Popstar verehrt. Und weil es Woods gibt, existiert vor allem in den USA oder Australien ein anderes Image als in Deutschland: jung, trendy, und Sport für alle – Breitensport eben

Genau dafür kämpft der Deutsche Golf Verband (DGV) seit einigen Jahren erfolgreich. 2002 verzeichnete Golf 28 526 neue Mitglieder, das sind 7,7 Prozent Zuwachs, so viel wie bei keinem anderen deutschen Sportverband. Entscheidend hat dazu die Gründung der VcG unter dem Dach des DGV beigetragen. Ziel des VcG ist es, durch billige Mitgliedschaft (220 Euro pro Jahr) neue Spieler an den Golfsport heranzuführen. Momentan besitzt der VcG über 14 000 Mitglieder, die auf 600 der 650 privaten Golfplätzen Deutschlands spielen dürfen. Bisher sind 27 000 Golfer nach ihrem VcG-Austritt in einen Golfclub eingetreten. „Wir sind der einzige Verein, der sich über Austritte freut“, sagt Kutschera.

Ein ähnliches Anliegen vertritt „golf-inter.net“ geschrieben. Der kommerzielle Anbieter verkauft freie Mitgliedschaften von Golfclubs zu günstigen Preisen (25 Euro pro Monat). Die Firma richtet sich hauptsächlich an vielreisende Erwachsene, die damit in allen deutschen Clubs spielen dürfen. Die Mitgliedschaften „gehen in die Tausende“ sagt einer der Gründer, Claus Krieg.

Neben diesen Versuchen, den Einstieg in einen Golfclub zu erleichtern, ohne von zum Teil hohen Aufnahmegebühren abgeschreckt zu werden, reagieren aber auch viele Clubs selbst. Mit Schnupperangeboten: ein Mal spielen, dreimonatige Mitgliedschaft, oder nur an einem Wochentag. Die Mitgliedschaftsform und daher der Beitrag richtet sich mit Ausnahme von exklusiven Clubs zunehmend nach den Mitgliedern.

Monika Selhorst, Sprecherin des DGV, sieht Golf daher auf dem „Weg, ein Sport für viele zu werden“. Seit 1999 gibt es außerdem das Projekt „Abschlag Schule“, bei dem bisher über 9 000 Schüler im Rahmen des Schulsports teilgenommen haben. Ein weiterer Schritt zum Breitensport ist das Projekt „play & pay“, bei dem der Bau von öffentlichen Golfanlagen gefördert. Mittlerweile gibt es deutschlandweit 200 solcher Anlagen. In Berlin immerhin vier.

Mehr zu diesem Thema unter:

www.golf.de

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