Die Neuzugänge der Eisbären : Die Welt ist nicht genug

Die Eisbären haben trotz der prominenten Abgänge von Denis Pederson, Stefan Ustorf, Nicholas Angell und Richie Regehr nur Profis verpflichtet, deren Form schwer einschätzbar ist - in der Hoffnung, das einer der Neuen voll einschlägt.

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Wo ist denn hier der Puck? Mark Katic (links) hatte in seinem ersten Spiel für die Eisbären gegen den HC Pilsen noch Probleme mit der Orientierung – auch wenn er für seinen neuen Kollegen Daniel Weiß (rechts) später ein Tor vorbereiten konnte.
Wo ist denn hier der Puck? Mark Katic (links) hatte in seinem ersten Spiel für die Eisbären gegen den HC Pilsen noch Probleme mit...Foto: City-Press GbR

Berlin - Die internationale Eishockeywelt ist überschaubar. Nordamerika, Nord- und Osteuropa – das sind die Regionen, in denen die besten Spieler zu finden sind. Für die Eisbären scheint der internationale Transfermarkt in diesem Jahr sogar noch ein Stück kleiner geworden zu sein. Nur drei neue Spieler hat der Deutsche Meister verpflichtet, drei Spieler mit Brüchen in der Biografie. Die Kanadier Mark Katic und Matt Foy fielen einst in der National Hockey League (NHL) durch, Sebastian Ellwing kommt als Ersatztorhüter vom EHC München nach Berlin.

Die Zurückhaltung bei den Verpflichtungen ist zum Teil der Tatsache geschuldet, dass die Berliner wieder deutsche Nachwuchsspieler integrieren wollen. Entscheidender ist wohl, dass die Berliner – seitdem in Russland und Skandinavien im Eishockey astronomische Gehälter gezahlt werden – auf dem großen Markt keine große Rolle spielen können. Ihr Mäzen Philip Anschutz ist ein guter Rechner und gibt nicht wie etwa seine Mannheimer und Nürnberger Pendants Dietmar Hopp und Thomas Sabo auch mal mehr aus, als sich mit einem Eishockeyteam verdienen lässt. So müssen die Eisbären nun nach den schwerwiegenden Abgängen von Denis Pederson, Stefan Ustorf, Nicholas Angell und Richie Regehr hoffen, dass einer ihrer Neuen irgendwie einschlägt.

Nach dem ersten Test lässt sich das im Falle von Matt Foy hoffen. Der Außenstürmer überzeugte beim Spiel der Berliner in der European Trophy beim 6:4 gegen den HC Pilsen. Foy kann elegant laufen und hart schießen, und er scheint das Spiel auch ganz gut antizipieren zu können. „Das Spiel hier kommt mir entgegen“, sagte er nach dem Debüt auf europäischem Eis. Auf der im Vergleich zu Nordamerika breiteren Eisfläche könne er seine Stärken besser ausspielen. Die Verpflichtung von Foy ist aber nicht ohne Risiko. Von 2006 bis 2008 stürmte er für Minnesota Wild in der NHL, danach ging es mit der Gesundheit des inzwischen 29 Jahre alten Kanadiers steil bergab. Wegen schwerer Verletzungen konnte er ein Jahr lang nicht spielen. Sein Glück ist, dass Foy einst beim Heimatklub von Manager Peter John Lee, den Ottawa 67’s, aktiv war und dort auch schon mit Eisbären-Stürmer Julian Talbot spielte. In Ottawa bedienen sich die Berliner gern – weil auch ihr Kotrainer Vince Malette dort mal Coach war. Foy glaubt, dass er in Berlin zu alter Stärke zurückfindet. Sein neuer Trainer scheint sich da nicht sicher zu sein. Don Jackson sagt: „Aber in jedem Fall ist er konditionell gut drauf.“ Das wiederum glauben nicht alle Beobachter. Am Freitag stritten sich die Experten vor der Eisbärenkabine, ob sich da nun bei Foy unter dem T-Shirt zu viel Muskelmasse oder zu viel Fett wölbte.

In puncto Fitness gibt es bei Mark Katic wohl nichts zu beanstanden. Der Verteidiger ist erst 23 Jahre alt und braucht bei seiner ersten Station außerhalb Nordamerikas die Zeit bis zum Saisonstart in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) am 14. September zur Eingewöhnung. Katic hat in den vergangenen zwei Jahren wenig gespielt, auch wenn er immerhin elfmal für die New York Islanders in der NHL auflaufen durfte. Beim Debüt gegen Pilsen gab er zwar eine Torvorlage, wirkte aber ansonsten desorientiert. Das will im August nichts heißen – sagt auch Manager Lee: „Mark hat großes Talent und träumt auch von der Rückkehr in die NHL.“

Derlei Träume hat der dritte Zugang der Eisbären nicht. Sebastian Elwing würde ein Stammplatz in der DEL reichen. Dazu müsste er Stammtorwart Rob Zepp verdrängen. Das wird wohl unmöglich, zumal Trainer Jackson selbst in der Vorbereitung vorerst nur auf Zepp setzt. Zepp wird auch am Sonntag beim zweiten Spiel der Eisbären in der European Trophy gegen HC Brünn (Beginn 16.30 Uhr, Arena am Ostbahnhof) im Tor stehen. Wann bekommt Elwing eine Chance? „Das weiß ich noch nicht“, sagt Jackson. Was für Elwing spricht: Er kennt die Welt der Eisbären. Der 32 Jahre alte gebürtige Berliner spielte von 1998 bis 2002 als Ersatztorwart schon zehnmal für die Berliner in der DEL und hat sich zuletzt in München den Ruf als starker zweiter Torwart erarbeitet.

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