Sport : Die Null steht

Der HSV hält bei Arsenal lange gut mit, bleibt aber durch das 1:3 ohne Punkt in der Champions League

Raphael Honigstein[London]

Die Pressekonferenz vor dem Spiel nutzte Arsène Wenger, um Dinge anzusprechen, die ihm wirklich am Herzen liegen. Nach einigen strittigen Entscheidungen in England plädierte der Trainer von Arsenal London vehement für die Einführung einer Torkamera. Der Gegner war ihm eine solch eingehende Beschäftigung nicht wert. Zu klar schien, dass der Hamburger SV, die diesjährige Lachnummer der Champions League, auch das Spiel beim letztjährigen Finalisten am Dienstagabend in London verlieren würde. In der Besprechung nach dem Spiel kam Wenger nicht mehr auf den Videobeweis zurück. Der 3:1 (0:1)-Sieg in der Gruppe G der Champions League musste schwerer erarbeitet werden als gedacht. Der HSV dagegen darf sich ein engagiertes Spiel bescheinigen lassen. Aufgrund individueller Fehler blieb ihm jedoch der Erfolg verwehrt – wie so oft in dieser Saison.

Mit vier Niederlagen in den vorangegangenen vier Spielen hatten die Hamburger die Grundlage dafür gelegt, dass sie von Chancen und Druck befreit in dieses Spiel gehen konnten. Nachdem Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer routiniert Meldungen nach einer baldigen Ablösung Thomas Dolls als „abartiges Geschäftsgebahren“, das jeder Grundlage entbehre, bezeichnet hatte, konnte der glücklose Trainer auch die letzte Hamburger Europapokalreise in absehbarer Zeit genießen, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen. „Wir spielen in einem tollen Stadion gegen eines der weltbesten Teams“, sagte Doll. „Ich freu mich auf das Spiel.“

Rafael van der Vaart sorgte dafür, dass Doll sich nicht nur wie so oft in dieser Saison auf, sondern zumindest zu Beginn auch einmal über das Spiel freuen konnte. In der vierten Minute legte er sich den Ball auf den rechten Fuß und drosch ihn von der Strafraumgrenze unter die Latte des Tors von Jens Lehmann.

Der unvermittelte Gegentreffer ließ die Arsenal-Fans unter den 59 962 Zuschauern im Emirates-Stadion zunächst regelrecht verstummen. Erst nach zehn Minuten fingen sich Publikum und Mannschaft. Dann ließ Aliaksandr Hleb gleich mehrere Hamburger im Strafraum aussteigen, um den Ball dann an die Latte zu jagen. Wenig später verpasste Thierry Henry eine hohe Hereingabe nur knapp, kurz darauf setzte Robin van Persie einen Kopfball knapp neben das Tor von Stefan Wächter.

Trotz des Anrennens der Gastgeber machten die Hamburger, bei denen Doll van der Vaart neben Rafael Wicky auf die Position eines zweiten defensiven Mittelfeldspielers zurückgezogen hatte, einen stabileren Eindruck als in den meisten Spielen der bisherigen Saison. Meist erwarteten sie die Londoner mit zehn Spielern am eigenen Strafraum, während Boubacar Sanogo als einzige Spitze am Mittelkreis wartete. Diese ungekannte Disziplin des Gegners überraschte Arsenal so sehr, dass das Team seinen patentierten Kurzpassfußball praktisch aufgab und es mit einfallslosen hohen Flanken versuchte.

Völlig von den inzwischen charakteristischen Undiszipliniertheiten vermochte sich der HSV aber auch in London nicht zu lösen. Besonders hervor tat sich hier Linksverteidiger Timothee Atouba, aber es war Stefan Wächter, der in der 36. Minute eine Ecke unterlief und so beinahe den Ausgleich ermöglichte. Ein Mitspieler musste für ihn auf der Linie klären. Nach einem unnötigen Foul van der Vaarts bekam van Persie zwei Minuten später die nächste Chance, doch sein Freistoß strich knapp am Tor vorbei.

Beim nächsten Fehler aber passierte es. Zu Beginn der zweiten Hälfte nahm van Persie ein Zuspiel von Cesc Fabregas nach einem Stellungsfehler Atoubas allein vor Wächter auf und schob locker ein. Nachdem Henry und Fabregas erst Wächters Arme und dann die Latte getroffen hatten, rutschte Wächter sieben Minuten vor Schluss schließlich der Punkt durch die Hände: Er ließ er einen Schuss von Emmanuel Eboué fast von der Torauslinie ins Netz. In der 88. Minute erhöhte Julio Baptista per Konter auf 3:1. Ein Unentschieden reicht Arsenal nun in Porto zum Weiterkommen – und dem HSV gegen Moskau, um zumindest das allergrößte Debakel abzuwenden.

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