Sport : Die Oldies finden den heiligen Gral

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Von Stefan Liwocha

Detroit. Das Schaulaufen mit dem Cup wollte nicht enden. Als Erster stemmte Kapitän Steve Yzerman das silberne Schmuckstück in die Höhe. Dann folgte Trainer Scotty Bowman, ehe Torwart Dominik Hasek und Stürmer Luc Robitaille mit dem heiligen Gral des Eishockeys eine kleine Ehrenrunde drehten. Für Hasek und Robitaille war es ein besonderer Moment. Denn zum ersten Mal in ihrer Karriere hielten sie den Stanley Cup in ihren Händen. Freudentränen kullerten, und die harten Jungs waren von den Emotionen überwältigt. „Mein Lebenswerk ist damit vollendet“, sagte Hasek (37), der 1998 in Nagano olympisches Gold mit Tschechien gewonnen hatte. Die Red Wings waren ihrer Favoritenrolle mit 4:1-Siegen in der Finalserie der National Hockey League (NHL) gerecht geworden.

Die Feierlichkeiten starteten, als Brendan Shanahan 45 Sekunden vor Schluss ins leere Tor des Gegners traf. Das 3:1 besiegelte die Meisterschaft. Und während die bis dahin als Außenseiter aufopferungsvoll kämpfenden Cracks aus Carolina ihre Köpfe senkten, hielt es keinen der 18 000 Fans in der Joe-Louis-Arena auf den Sitzen.

Es muss ein bittersüßes Gefühl für Uwe Krupp gewesen sein, auch das fünfte Finalspiel von der Tribüne aus verfolgen zu müssen. Am Ende wirkte er trotz seines Trikots mit der Nummer 4 wie ein Fremdkörper inmitten der Feierlichkeiten auf dem Eis. Der von Verletzungen geplagte deutsche Verteidiger, der in der regulären Saison nur acht Spiele fürs beste Team der NHL bestreiten konnte, hatte sich Chancen auf einen Einsatz und ein persönliches Happy-End ausgerechnet. Doch nach der Sperre gegen Abwehrspieler Jiri Fischer entschied sich Bowman als Ersatz für Jiri Slegr und gegen den 1,95-Meter-Hünen Krupp. „Eine bittere Pille“, sagte der 36-Jährige, dessen Aktien nach den beiden Play-off-Auftaktpleiten gegen Vancouver erheblich gefallen waren. Zu langsam und zu unbeweglich, lauteten die Kritikpunkte.

Detroit war zum Siegen verdammt. Teambesitzer Mike Ilitch hatte vor der Saison sein Team mit Star-Torhüter Hasek und 600-Tore-Stürmer Robitaille ergänzt und den Teametat auf 64 Millionen Dollar aufgestockt. Soviel wie bei keinem anderen Verein. Trotz insgesamt neun sicherer Kandidaten für die Hall-of-Fame, der Eishockey-Ruhmeshalle, setzte man auf Teamwork. Eisheilige wie Hull (37), Larionow (41), Fedorow (32) und Chelios (40) ordneten alles dem Erfolg unter. Sicher auch ein Verdienst des grimmigen Scotty Bowman, den viele Experten für den „besten Coach aller amerikanischen Sportarten“ halten. 24 Stunden nachdem Phil Jackson mit den Los Angeles Lakers seinen neunten NBA-Titel gewonnen hatte, zog Bowman (68) mit seinem neunten Stanley-Cup-Triumph gleich. Und verkündete zugleich eine traurige Botschaft. „Es ist nun an der Zeit abzutreten“, sagte die Trainer-Legende, „und ich bin so froh darüber, dass ich mich mit einem siegreichen Team verabschieden kann.“ Hasek will erst nach Rücksprache mit seiner Frau mitteilen, ob er ebenfalls in den Ruhestand geht. Dem 37-Jährigen gelang es als erstem europäischen Torhüter, sein Team zum Stanley-Cup-Sieg zu führen. Der schwedische Verteidiger Nicklas Lidström gewann als erster europäischer Crack die MVP-Trophäe als bester Spieler der Play-offs. Die älteste Mannschaft, die je den Stanley Cup gewann, wurde für den kurzfristigen Erfolg vereint. Bowman sagte: „Ich wollte dieses Kunststück zum Abschied noch mal fertigbringen.“ Bald aber wird das vielleicht beste Team aller Zeiten zerfallen.

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