Sport : Die Opposition hat das Wort Mayer-Vorfelder erwartet heute harte Kritik

Robert Ide

Berlin - Gerhard Mayer-Vorfelder hat schon mit Otto Rehhagel telefoniert. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat den Trainer der griechischen Nationalmannschaft vor dem EM-Finale Glück gewünscht. „Mehr nicht“, versichert Mayer-Vorfelder, der wegen seiner eigenmächtigen Suche nach einem Bundestrainer in die Kritik geraten ist. Mehr nicht – das kann zweierlei heißen. Erstens: Nach der Absage von Wunschtrainer Ottmar Hitzfeld soll nichts mehr überstürzt werden; am heutigen Montag trifft sich das DFB-Präsidium zu einer Sondersitzung, um sich auf ein Anforderungsprofil für einen Trainer zu einigen. Zweitens kann es bedeuten: Zu mehr als netten Telefonaten ist Mayer-Vorfelder nicht befugt. Denn das DFB-Präsidium berät in der Verbandszentrale in Frankfurt am Main auch über das Anforderungsprofil seines Präsidenten. Und das scheint immer weniger mit Mayer-Vorfelder zusammenzupassen.

In der Sitzung wird eine heftige Debatte um die Amtsführung des 71 Jahre alten Verbandschefs erwartet. „Alle Trainernamen sind Spekulation“, hieß es am Sonntag aus der Umgebung von Franz Beckenbauer, dem bei dem Treffen eine Schlüsselrolle zukommt. „Erst müssen wir sehen, was mit dem Präsidenten ist.“ Mayer-Vorfelder muss sich auf Kritik von zwei Seiten einstellen: der Verbandsbasis, angeführt von DFB-Vize Engelbert Nelle, der öffentlich Schatzmeister Theo Zwanziger als Nachfolger Mayer-Vorfelders in Spiel bringt. Und von der Bundesliga, vertreten durch Ligachef Werner Hackmann, die sich bei der Trainersuche übergangen fühlt. „Wir sollten uns am Montag überraschen lassen“, sagt Hackmann auf Nachfrage. Nach Rückhalt für den Präsidenten klingt das nicht.

Nach Ansicht von Insidern wird viel davon abhängen, ob Mayer-Vorfelder Fehler einräumt und eine Beschneidung seiner Kompetenzen zulässt. Viele Funktionäre fordern, der Präsident solle seinen eigenmächtigen Referenten Jan Lengerke zurückziehen. Doch dazu ist der nicht bereit. „Ich habe noch nie ein Bauernopfer gebracht, um meinen Kopf zu retten“, beharrt Mayer-Vorfelder. Sollte er uneinsichtig bleiben, dürfte das seine Kritiker noch mehr herausfordern.

Der FC Bayern, einflussreichster Verein, ist dagegen an einem Sturz nicht interessiert. „Diejenigen, die etwas zu sagen haben, haben mit Mayer-Vorfelder kein Problem“, sagt Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Ähnlicher Meinung dürfte Franz Beckenbauer sein, der sich öffentlich in der Machtfrage zurückhält. Der Organisationschef der WM 2006 fürchtet um den deutschen Einfluss im internationalen Fußball. Mayer-Vorfelder sitzt im Exekutivkomitee des Weltverbands Fifa und ist ein Freund von Fifa- Präsident Joseph S. Blatter. Die WM-Organisatoren wünschen sich zwei Jahre vor dem Turnier nur eines: Ruhe.

Die WM 2006 ist auch das Richtmaß für die Trainersuche. Immer mehr Funktionäre plädieren intern für eine Übergangslösung. „Wir müssen im eigenen Land ins Finale kommen, egal wie“, sagt ein hochrangiger Funktionär. „Was danach kommt, ist egal.“ Das könnte für Otto Rehhagel sprechen, der mit 65 Jahren nicht als Neuanfang gilt, aber immerhin kurzfristiger Motivator sein könnte. Durchaus möglich also, dass Rehhagel bald wieder mit dem DFB telefoniert. Ob Gerhard Mayer-Vorfelder dann die Verhandlungen führt, ist allerdings offen.

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