Sport : Die Pleiteliga

Die Insolvenzen zeigen: Die Fußball-Regionalliga leidet unter Missmanagement und Strukturfehlern

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Berlin - Marek Lesniak, einst Stürmer in der Fußballbundesliga und nun Trainer des Fünftligisten Wattenscheid, drückt es so aus:„In die Regionalliga will und kann doch fast keiner aufsteigen.“ Der 43-Jährige spricht über die vierte Liga, eigentlich ein attraktives Ziel für jeden Verein. Doch nach der Saison 2009/10 können oder wollen sieben der insgesamt 54 Regionalligaklubs nicht mehr in dieser Liga spielen. Tennis Borussia Berlin, Rot- Weiss Essen, der SSV Reutlingen und Eintracht Bamberg meldeten Insolvenz an, Waldhof Mannheim und der Bonner SC erhielten keine Lizenz, und Hansa Rostock zog seine zweite Mannschaft aus der Liga zurück.

Nur zum Teil sind die Zwangsabstiege auf Missmanagement überambitionierter Vereinsführungen zurückzuführen. Beim Traditionsverein Rot-Weiss Essen zum Beispiel. Der wollte mit aller Macht in den Profifußball zurück. Die Klubführung verpflichtete Thomas Strunz, Europameister von 1996, als Teamchef und Sportlichen Leiter in Personalunion. Doch der Erfolg blieb aus. Strunz wurde im September 2009 entlassen, und Essen stellte im Mai 2010 fest, dass dem Verein etwa zwei Millionen Euro für den laufenden Betrieb fehlen. Die Stadt Essen lehnte es ab, dem Verein wie so oft unter die Arme zu greifen. Der DFB entzog dem Deutschen Meister von 1955 die Lizenz für die Regionalliga West. Essen geht nun in die Planinsolvenz und hofft, in der fünften Liga neu anfangen zu können. Auf einmal rang sich der Stadtrat doch durch, dem Verein zu helfen.

Doch nicht alle Probleme der Vereine sind hausgemacht. 2008 hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Dritte Liga eingeführt. Die bis dahin als dritte Spielklasse firmierende Regionalliga wurde zur vierten Spielklasse „Es ist eine Profiliga, die als Amateurklasse firmiert“, sagt ein Sprecher von Rot-Weiss Essen. „Das macht die Liga auf dem freien Markt unattraktiv. Private Sponsoren lassen sich kaum akquirieren.“

Ein weiteres Problem sind die Zweitteams der Profiklubs: Sie nahmen in der vergangenen Saison 21 der 54 Regionalligaplätze ein, sind aber für die Zuschauer unattraktiv.

Hinzu kommen hohe Auflagen des DFB. Stadien für 5000 Zuschauer müssen in vier Sektoren aufgeteilt sein, mit jeweils eigenen Eingängen, Sanitäranlagen und Imbissständen. 2,20 Meter hohe Zäune sollen Fans vom Spielfeld trennen.

DFB-Präsident Theo Zwanziger sprach im Mai von Plänen, bald in sechs Staffeln spielen zu lassen. Eine Lösung, mit der die Amateurklubs nicht einverstanden sind. Vertreter von 24 Regionalligavereinen trafen sich vergangenen Mittwoch und planten die Revolution. „Wir brauchen eine Verschlankung, damit die Liga attraktiver wird“, sagt Jens Rose, Vorsitzender von Hessen Kassel. Auf dem DFB–Bundestag im Oktober wollen die Vereine ihr Modell vorstellen: zweigleisig, mit einer Begrenzung für zweite Mannschaften. Oder am besten gleich ganz ohne.

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