Sport : Die präfinale Kraft des alten Meisters

Diese seltsame Kraft, die urplötzlich in schwerkranke Menschen strömt. Eben noch völlig apathisch und bar jeder Hoffnung, blühen sie auf einmal auf und verblüffen ihre Umwelt mit wieder gewonnener Lebensfreude. Doch so schnell diese Energie in diese Körper fließt, so fix versiegt sie auch wieder. Dann nimmt Gevatter Tod sie endgültig in seinen Schoß.

Auch der VfL Gummersbach befindet sich offenbar mitten in diesem eigenartigen präfinalen Prozess. Sportlich lauert der Sensenmann, denn der Traditionsverein belegt nur den drittletzten Platz in der Bundesliga, der die Relegation bedeuten würde. Angesichts der Auswärtsschwäche (bislang nur ein Punkt in Willstätt) scheint der direkte Klassenerhalt ausgeschlossen. Schließlich stehen die vier Heimspiele noch sieben Auswärtspartien gegenüber.

Seltsam genug, dass der sportliche Niedergang geradezu bejubelt wird, wenn der Verein für seine Heimspiele nach Köln umzieht, in die gigantische Köln Arena. Nachdem sich die Kreissparkasse Köln im Herbst als Sponsor engagiert hatte, sahen dort bereits 30 000 Zuschauer die Begegnungen gegen Kiel und Flensburg. Und am Donnerstag umwehte erneut ein Hauch von Deutscher Meisterschaft die euphorische Masse der 18 000. Derart beflügelt erkämpften die Gummersbacher ein Remis gegen den Titelverteidiger SC Magdeburg.

Auch wenn laut Manager Carsten Sauer die "sportlichen Bedingungen nur suboptimal sind" und das hektische Spiel alles andere als ein Handball-Leckerli darstellte, berauschten sich die Zuschauer erneut an der zugegeben atmosphärisch dichten Inszenierung: An den sentimentalen schwarzweiß-Aufnahmen früherer Tage, da der Verein große Europapokalsiege mit Autokorsos feierte, an der kölschen Musik und an der blauweißen Fahnen-Choreographie auf den Rängen. Jeder im Umfeld fabuliert daher von glänzenden finanziellen Perspektiven. Manager Sauer orakelt schon von der "Kölner Region als Handballregion Nummer eins in Deutschland". Solche Prognosen klingen schön und haben doch den nicht unwesentlichn Nachteil, dass sie den sportlichen Erfolg als Faktor ausklammern. Denn bei einem Abstieg in die zweite Liga wäre es mit dem neuen Handball-Boom im Westen ganz schnell wieder vorbei.

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