Sport : Die Premiere von Istanbul

Türken und Griechen treffen sich erstmals im Europapokal

Martín E. Hiller

Mustafa Kemal Atatürk hätte sich wohl ganz besonders auf dieses Spiel gefreut. Der Begründer der modernen Türkei soll ein ausgewiesener Fußballfachmann und Anhänger von Fenerbahce Istanbul gewesen sein. Am Donnerstag erwartet Fenerbahce Istanbul, trainiert von Werner Lorant, den griechischen Klub Panathinaikos Athen zum Hinspiel der zweiten Runde im Uefa-Cup. Es wird eine ganz besondere Begegnung sein: Noch nie in der 47-jährigen Geschichte des Europapokals sind Vereine aus der Türkei und aus Griechenland aufeinander getroffen. Da sich auch die türkische und die griechische Nationalmannschaft noch nie in einem Pflichtspiel begegnet sind, argwöhnten Beobachter in der Vergangenheit immer wieder, es gehe bei der Auslosung der europäischen Wettbewerbe nicht mit rechten Dingen zu.

Eine Hypothese. Sie wird aber durch die Tatsache gestützt, dass es jetzt doch zu einer griechisch-türkischen Begegnung kommt – jetzt, da die einst so verfeindeten Länder einen Prozess der Annäherung auf den Weg gebracht haben. Die Entspannung in der Ägäis begann 1999, als die Türkei von einem schweren Erdbeben überrascht wurde und Griechenland Hilfsmannschaften über die Meerenge schickte. Wenig später traf die Griechen dasselbe Schicksal, und die Türken revanchierten sich. Mit der Partie am Donnerstag gehen womöglich zwei Nationen einen weiteren Schritt aufeinander zu, deren gegenseitige (fußballerische) Bindungen schon einmal sehr eng waren: Das „K" im Namen der griechischen Erstligavereine AEK Athen und PAOK Saloniki etwa steht für Konstantinopel, den Gründungsort beider Klubs, der heute Istanbul heißt.

Offizielle beider Seiten hoffen auf ein Fußballfest. Allerdings ist nicht ganz auszuschließen, dass nicht alle Fans dabei mitmachen werden. Die Anhänger von Fenerbahce gelten als die hitzigsten der Türkei. Mitunter sollen sie mit Nägeln gespickte Kartoffeln in den gegnerischen Fanblock werfen. Doch auch in Griechenland ist Temperament kein Fremdwort. Selbst Panathinaikos’ Trainer Sergio Markarian musste einmal seinen Job für40 Tage von der Tribüne aus ausüben, weil er nach einem Spiel gegen Olympiakos Piräus mit Präsident Angelos Filippidis aufs Spielfeld gestürmt war, um den Schiedsrichter zu verprügeln.

Für eventuelle Krawalle wäre das erste griechisch-türkische Duell im Europapokal ein denkbar ungeeigneter Zeitpunkt. Am 12. Dezember entscheidet die Uefa über die Vergabe der Europameisterschaft 2008 – um deren Ausrichtung sich Griechenland und die Türkei gemeinsam beworben haben. Atatürk hätte sich wohl auch darüber gefreut.

0 Kommentare

Neuester Kommentar