Sport : Die Realität des Raumes Was Michael Ballack am Computer lernen kann

MAthias Klappenbach

Kann Michael Ballack heutzutage auch an der Playstation trainieren und sich verbessern? Der Philosoph Klaus Theweleit sagt ja. In den Nachkriegsjahren, als kleiner Junge, hat er sich die unbekannte Welt da draußen noch über Radioübertragungen und seine dadurch angeregte Fantasie erschlossen.

Doch die Welt hat sich seitdem verändert und damit auch das Fußballspiel und seine Wahrnehmung. Computeranimationen zeigen uns im Fernsehen, was Ballack hätte besser machen können – wenn ihm diese digitale Perspektive zur Verfügung gestanden hätte. Der Fußballfan Theweleit hat viele interessante Thesen darüber, wie sich diese und andere Veränderungen auf den modernen Fußball und seine Vermittlung auswirken, in seinem kurzweiligen Buch zusammengefasst.

In die Theoriekiste greift er dabei dankenswerterweise gerade nur so tief wie nötig. Klaus Theweleits persönliche Geschichte von der ersten Schweinsblase bis zu seinem beim Fußball verletzten Knie, das ihm bei wichtigen Lebensentscheidungen den Weg zu weisen scheint, ist witzig, und alle, die sich die Welt unter anderem auch über Fußball erschließen, werden an vielen Stellen denken: Ja, das ist mir so ähnlich auch schon durch den Kopf geschossen.

Und Michael Ballack, der den von Günter Netzer immer noch geforderten „Pass in die Tiefe“ bei den heutigen taktischen Systemen mangels Raum gar nicht mehr spielen kann, kann am Computer den Blick dafür schulen, was er stattdessen hätte machen sollen.

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