Sport : Die Reform der Hallenhockey-Bundesliga findet wenig Freunde

Dietmar Wenck

"Jedes Jahr denke ich, es müsste besser werden, aber es wird jedes Jahr bekloppter." Bernd Rannoch, der Trainer der Zehlendorfer Wespen, ärgert sich immer aufs Neue über die Terminplanung des Deutschen Hockey-Bundes (DHB) und nun auch über die anstehende Neuordnung der Hallenhockey-Bundesliga. "Man weiß ja nicht, wie die Mannschaften in eine Saison gehen, in der Klassenerhalt kein Thema ist", argumentiert er. Der DHB hat im Mai beschlossen, die Zahl der Bundesligen von zwei auf vier zu erhöhen. Aus den Ligen Süd und Nord à acht Mannschaften werden in der Saison 2000/2001 die Gruppen Nord, Ost, West und Süd mit jeweils sechs Teams. An diesem Wochenende beginnt die letzte Spielzeit nach altem Modus. Für die Berliner Bundesligisten bedeutet dies, dass die Männer des BHC sowie die Frauen des BHC, der Zehlendorfer Wespen, des TuS Lichterfelde und des Berliner SC schon jetzt den Klassenerhalt feiern können. Wenn sie wollen.

Carsten Keller, dem Trainer der BHC-Männer, ist nicht nach Feiern zumute. "Jetzt schon zu wissen, dass wir nachher in der Ost-Bundesliga spielen, ist deprimierend", sagt er. Seine Mannschaft wird sich künftig mit bisherigen Zweitligisten und einem Regionalligisten auseinander setzen müssen. Das spart Reisekosten, Reisezeit und angesichts schwächerer Konkurrenz vermutlich auch Kraft. Was fehlt, ist die Herausforderung. Außerdem kann es von Nachteil sein, wenn man im Play-off-Viertelfinale auf den ersten schweren Gegner trifft. "Wir hoffen, das wird sich bald wieder ändern", sagt Keller deshalb. In einer Umfrage der Deutschen Hockey-Zeitung unter allen Bundesligisten begrüßten nur wenige Vereine die Reform.

Hintergrund der Neuordnung ist das Bestreben des DHB, international den Anschluss zu halten. Nirgends wird das Hallenhockey so intensiv betrieben wie in Deutschland. Darum gewinnen deutsche Teams Halleneuropapokale und -meisterschaften, wie sie wollen. Auf dem Feld dagegen wird es immer schwerer, sich zum Beispiel gegen Australier, Niederländer oder Spanier durchzusetzen. Diese Nationen spielen wenig bis gar nicht in der Halle und können sich konzentrierter auf die großen Turniere wie Olympische Spiele vorbereiten. Deshalb, so war die Idee der Bundestrainer, sollen die Belastungen vor allem der Nationalspieler in der Halle verringert werden.

Nun wurde durch die Neuordnung die Saison allerdings nur um zwei Spieltage verkürzt. Pausen haben die Besten in der Zeit vor den Olympischen Spielen in Sydney ohnehin nicht. DHB-Lehrgänge machen eine seriöse Vorbereitung der Spitzenteams auf die Bundesliga unmöglich. Zudem ist auch die nächste Feldsaison eine Farce. Sie beginnt am 8./9. April 2000. Im Mai/Juni folgt ein fünfwöchiger Bruch durch Champions Trophy und Europapokal. Dann wieder zwei Wochenenden Bundesliga, danach 15 Wochen Sommerpause wegen der Ferienzeit und der Spiele in Sydney. Im Oktober schließlich die letzten beiden Spieltage sowie Viertelfinale und Endrunde. Was für eine Außenwirkung und was für einen sportlichen Wert hat solch ein Wettbewerb? Angesichts dessen sagt BHC-Frauentrainer Friedel Stupp: "Vielleicht hätte man die Hallensaison mal weglassen sollen."

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