Sport : Die Reifeprüfung

Alba steht heute vor dem wichtigsten Saisonspiel

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Walzertöne säuselten aus den Lautsprechern des Oldenburger City-Club-Hotels, als die Basketballer von Alba Berlin zum nächtlichen Abendessen gingen. Die sanfte Musikauswahl entsprach keineswegs der Stimmung der Berliner Spieler, missmutig durchquerten sie die holzvertäfelte Lobby. Nur Mike Penberthy erlaubte sich einen kurzen Gefühlsausbruch, als er seinen Teamkollegen Luke Whitehead ein Interview geben sah. „Gib mir die Schuld“, rief er, „es ist meine Schuld.“ Es blieb unklar, ob er das ironisch oder ernsthaft meinte. Danach dudelte wieder der Walzer.

Beruhigung hatten die Spieler von Alba Berlin nach der zweiten Niederlage (79:83) bei den EWE Baskets Oldenburg durchaus nötig. Zumal sie heute in der Max-Schmeling-Halle (20 Uhr, live auf Premiere) das bisher wichtigste Spiel dieser Saison bestreiten müssen. In der hart umkämpften Play-off-Viertelfinalserie gegen Oldenburg (Stand 2:2) kommt es heute zum entscheidenden fünften Spiel. Gewinnen die Berliner, empfangen sie am Sonntag im Halbfinale den Sieger der Serie zwischen Bremerhaven und Quakenbrück (Stand 2:2). Verliert Alba, ist die Saison für den Pokalsieger, Titelfavoriten und Tabellenführer der Hauptrunde bereits im Viertelfinale beendet. Es wäre eine sportliche Katastrophe für den ehrgeizigen Berliner Klub. „Seit ich hier bin, wird mir erzählt, Platz zwei ist nicht akzeptabel“, sagt Luke Whitehead. Vom heutigen Spiel hängt der Erfolg der gesamten Saison ab. Neben dem Meistertitel kann Alba heute die Qualifikation für die Europaliga und womöglich sogar für den Uleb-Cup verspielen.

„Jetzt muss sich zeigen, wie reif diese Mannschaft ist“, sagt Trainer Henrik Rödl. Den Zustand seiner Mannschaft beurteilt er nüchtern. „Wir sind noch nicht so eingespielt, wie wir es zu diesem Zeitpunkt eigentlich sein müssten“, sagt er, „wir haben uns in dieser Saison alles extrem schwer erarbeiten müssen, das merkt man der Mannschaft jetzt an.“ Er meint vor allem die turbulente Zeit nach Matej Mamics Unfall. Das Pokalfinale in Bamberg, in dem die Berliner eine beeindruckende erste Halbzeit gezeigt hatten, sei eine Ausnahme gewesen. Aufbauspieler Hollis Price sagt: „Wir wackeln vielleicht momentan ein bisschen, aber wir werden uns von Spiel zu Spiel verbessern.“ Er hofft nun auf den Heimvorteil. „Dafür haben wir in dieser Saison hart gearbeitet.“ In der Bundesliga hat Alba in dieser Spielzeit zu Hause nur ein Spiel verloren.

Die Erfolge im Pokal stimmen Trainer Henrik Rödl für das heutige Spiel zuversichtlich. „Im Achtelfinale in Bremerhaven standen wir auch vor dem Aus“, sagt Albas Trainer, „da musste die Mannschaft auch gewinnen.“ Sie kenne die Situation, die eigentlich nicht ungewöhnlich sei. „In einer Saison kommen immer irgendwann Spiele, die man unbedingt gewinnen muss“, sagt er, „nur kommt es diesmal etwas früher als sonst.“

Dabei hätte das vierte Spiel auch anders enden können. 18 Sekunden vor dem Ende hatte Hollis Price mit Freiwürfen zum 79:79 ausgeglichen. Die Berliner hätten nun den letzten Oldenburger Angriff abwehren und in der Verlängerung ihre Chance auf den Sieg suchen können. Doch Rödl entschied sich für eine andere taktische Variante. Er ordnete ein schnelles Foul an Oldenburgs Kristaps Valters an, doch dieser verwandelte seine Freiwürfe. Hollis Price vergab mit einem Fehlpass die letzte Chance auf den Ausgleich oder den Sieg. „Es war eine schwierige Entscheidung, wir haben bei Alba mit dieser Taktik oft Erfolg gehabt“, sagt Rödl, „es darf aber nicht passieren, dass wir im letzten Angriff noch nicht einmal einen Wurf bekommen.“

Sein Vizepräsident wollte sich mit derartigen Details nicht mehr beschäftigen. „Vergessen“, sagt Marco Baldi. Auch die 24 Ballverluste, die 14 Prozent Trefferquote von der Dreipunktelinie, die 36 Punkte von Oldenburgs Tyron McCoy. „Einfach vergessen“, sagt Baldi. Für Alba zählt nur noch eines: das heutige Spiel.

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