Sport : Die Rennläuferinnen Martina Ertl und Hilde Gerg fahren der Weltelite hinterher

Helen Scott-Smith

Ertl ist im Riesenslalom ausgeschieden und 46. im Slalom, Gerg 52. im Riesenslalom und im Slalom ausgeschiedenHelen Scott-Smith

Hilde Gerg und Martina Ertl erlebten am Fuße des knapp 3400 m hohen "Copper Peak" zwei schwarze Tage. An einen so miserablen Saisoneinstand konnten sich die beiden Alpin-Asse aus Lenggries nicht erinnern. Die bescheidene Bilanz von Copper Mountain im US-Bundesstaat Colorado: Martina Ertl im Riesenslalom ausgeschieden und 46. im Slalom, Gerg 52. im Riesenslalom und im Slalom ausgeschieden. "Es gibt keinen Grund zur Panik. Wir stehen in der Saisontreppe mit 44 Stufen erst auf Stufe drei", beteuerte Disziplin-Trainer Wolfgang Grassl dennoch. Aber seit dem Abschied von Katja Seizinger verlieren die deutschen Alpinen des öfteren die absolute Spitze aus dem Auge.

Monika Bergmann aus Lam war es zu verdanken, dass sich das Desaster vom Freitag nicht wiederholte. Im Riesenslalom war der Deutsche Ski- Verband (DSV) im Finale der besten 30 überhaupt nicht mehr vertreten. Die Junioren-Weltmeisterin von 1997 hat sich die Kritik von Bundestrainer Wolfgang Maier an der zweiten Garde sehr zu Herzen genommen und zeigte auf dem flachen "Main Vein" die nötige Angriffslust. Platz 15 (1:34,18) im Slalom als beste Deutsche weit vor den beiden Etablierten war ihr Lohn.

Aber auch die 21-jährige Zollbeamtin hatte mit der Entscheidung an der Spitze nichts zu tun. Erst das zweite Mal seit dem Slalomfinale des Weltcups von 1997 im benachbarten Vail teilten sich zwei Läuferinnen den Sieg und das Preisgeld von rund 85 000 Mark: Die Slowenin Spela Pretnar und die Französin Christel Saioni (1:31,92) hatten auf die hundertstel Sekunde die gleiche Zeit. Dritte wurde die Norwegerin Trine Bakke (1:32,22). Mit Rückstand hatte DSV-Frauenchef Maier zwar schon gerechnet, "ich habe aber nicht erwartet, dass es so krass sein wird", bekannte er.

Slalom-Olympiasiegerin Hilde Gerg hatte den Grund für ihr Hinterherfahren schnell gefunden. Die Deutschen haben die Entwicklung im Ski-Material verpasst. Während die Konkurrenz auf extrem kurze Ski um 1,70 m mit starker Taillierung umgestiegen sind, fuhr die Lenggrieserin noch ein knapp zehn Zentimeter längeres Modell. "Das war eine falsche Entscheidung von mir. Es ist, als wenn man in einen Formel-1-Auto einen falschen Motor einbaut", zeigte sich die 24-Jährige gewohnt selbstkritisch.

Schon im gemeinsamen Training mit anderen Nationen hatte die Zweite im Gesamt-Weltcup gemerkt, dass mit ihrem Material nichts geht. Sofort setzte die Diskussion ein. "Aber in der Kürze der Zeit kann man keinen neuen Ski bauen", meinte Gerg und musste die unvermeidliche Niederlage hinnehmen. Diese leidvolle Erfahrung machten auch andere Spitzenfahrerinnen. Die australische Weltmeisterin Zali Steggall kam im ersten Lauf als 48. ins Ziel, Österreichs Routinier Anita Wachter auf Rang 52. Schwedens Seriensiegerin von 1998, Ylva Nowen, verbuchte sogar den 55. und drittletzten Platz.

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