Sport : Die Revanche ist ausgefallen

Ausgerechnet bei einem deutschen Rivalen hat sich Handball-Vizemeister TBV Lemgo die größte Blamage auf europäischer Bühne eingehandelt. Nach dem 23:33 (13:15)-Debakel beim THW Kiel im Viertelfinale des EHF-Pokals müssen sich die Lemgoer wohl auf die nationalen Wettbewerbe konzentrieren, während die Kieler schon so gut wie im Halbfinale stehen. "Das war die höchste Niederlage, die wir je in einem europäischen Wettbewerb hinnehmen mussten", sagte Lemgos Manager Fynn Holpert nach dem deutschen Duell am Montagabend in Kiel. Und er versprach: "Im Rückspiel am Sonntag werden wir einen anderen TBV erleben. Es bleiben noch zwei Prozent Wahrscheinlichkeit, dass wir weiterkommen." Der Manager kündigte zudem Konsequenzen an: "Wir werden uns nach Alternativen in unserem Kader umsehen müssen."

Es sollte eine Mini-Revanche für die Europameisterschaft werden. Die fünf deutschen Vize-Europameister in Diensten des Bundesliga-Tabellenführers Lemgo wollten gegen Kiel mit seinen vier schwedischen Europameistern die in der Verlängerung erlittene Endspiel-Niederlage wiedergutmachen. Doch der erwartete Knüller wurde zu einer einseitigen Schau schwedischer Stärke: Die Europameister Magnus Wislander, Stefan Lövgren, Johan Pettersson und Staffan Olsson waren Daniel Stephan, Florian Kehrmann, Markus Baur und Co. in allen Belangen überlegen. Vor allem Johan Pettersson war kaum zu stoppen und erzielte zehn Toren. "Wir müssen jetzt im Rückspiel ganz ruhig bleiben", sagte der von den 9300 Zuschauern gefeierte Flügelspieler. "Das Wichtigste bleibt die Meisterschaft, alles andere ist eine schöne Zugabe."

Star des Abends aber war ein weiterer Schwede, der als dritter Torwart seines Landes noch nicht einmal bei der EM dabei war: Der 23-jährige Mattias Andersson, der den Vorzug vor Nationalkeeper Henning Fritz erhalten hatte, ballte in bester Oliver-Kahn-Manier ein ums andere Mal die Faust und brachte Lemgo mit rund 20 Paraden zur Verzweiflung. "Das war eine Top-Torhüter-Leistung", schwärmte THW-Manager Uwe Schwenker.

"Mit zehn Toren Rückstand sind wir noch gut bedient", zollte Lemgos Trainer Binjo Tluczynski den Kielern Lob. "Vor allem in der zweiten Halbzeit haben wir zu viele technische Fehler begangen." Schmerzlich vermisst wurde bei den Ostwestfalen ein sechster Vize-Europameister: Der 248-fache Nationalspieler Volker Zerbe hatte sich im letzten Bundesliga-Auftritt eine Zerrung zugezogen und ist erst im Rückspiel wieder dabei. Bei den Kielern stand trotz einer Abrissfraktur in zwei Wirbelfortsätzen überraschend Abwehr-Routinier, Klaus-Dieter Petersen auf dem Platz. "Der Arzt hat gesagt, es könne nichts kaputt gehen, nur schmerzen, und das war auszuhalten", sagte Petersen.

Am Sonntag in der ausverkauften Lipperlandhalle (15 Uhr) in Lemgo steht das Rückspiel und damit der nächste Akt des Dauer-Duells Lemgo gegen Kiel auf dem Programm. Am 6. April in Hamburg folgt der dritte Teil, wenn die beiden Top-Teams im Halbfinale um den DHB-Pokal aufeinander treffen.

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