Sport : Die Rückkehr der alten Dame

Die 29-jährige Lindsay Davenport gewinnt zum dritten Mal das Tennisturnier in Filderstadt und wundert sich über ihre Leistungen

Oliver Trust[Filderstadt]

Manchmal wundert sich Lindsay Davenport über ihren Stellenwert. „Es wird jedes Jahr schwerer, gegen die Konkurrentinnen zu bestehen, aber ich bin immer noch da, und ich bin immer noch gut genug“, sagte die 29-jährige Tennisspielerin vor wenigen Tagen. Zum Beispiel ist die US-Amerikanerin gut genug, dass sie am Sonntag zum dritten Mal das Grand-Prix-Turnier in Filderstadt gewann. Im Finale besiegte sie die Französin Amelie Mauresmo 6:2, 6:4. Es war ihr 50. Turniersieg.

Die US-Amerikanerin hatte nie ernsthafte Probleme mit der Weltranglisten-Vierten Mauresmo. Im ersten Satz schlug die US-Amerikanerin gleichmäßig stark auf, erst im zweiten Satz leistete die Französin wirkungsvoller Gegenwehr. Da gelang der 26-Jährigen ein Break, aber Davenport reagierte sofort mit einem Rebreak.

Bei Davenport brauchen die Turniersprecher länger als bei vielen anderen, um ihre Erfolge aufzulisten, und in den Turniermagazinen ist der Statistikteil unter ihrem Foto größer als bei den meisten ihrer Gegnerinnen. Doch die erheblich jüngeren Talente drängen immer stärker nach vorn in der Weltrangliste, auch deshalb hatte die US-Amerikanerin im Sommer 2004 in Wimbledon frustriert gesagt, es würde einem Wunder gleichen, wenn sie 2005 an der Weltspitze mitmischen würde. Sie kündigte damals verklausuliert ihren baldigen Rücktritt an.

Aber sie ist immer noch da, und jetzt sagt die 29-Jährige lässig: „Nach Wimbledon habe ich erstaunlicherweise auf einmal wieder besser gespielt und gemerkt, wozu ich noch immer in der Lage bin.“

Davenport ist im Tenniszirkus früher mit ein paar starken Sprüchen aufgefallen. Trotzdem gibt es buntere, extrovertiertere Stars und Sternchen im Tenniszirkus als sie. Davenport produziert keine Skandale und trägt auch keine knappen Kleider. „Es gibt jetzt keine Gedanken mehr an ein Ende der Karriere. Ich hatte eine große Klappe und habe meine Lektion gelernt“, sagte Davenport in Filderstadt, als sie den Schlüssel zu ihrem neuen Auto, die Siegprämie, erhielt.

Vielen ist die Frau aus Laguna Beach in Kalifornien zu normal. Verheiratet, mehrere Hunde zu Hause, Kreuzworträtsel als Hobby und einen Kinderwunsch im Kopf. Im Kreis der vielen jungen Konkurrentinnen, die kamen und gingen, hatte sie stets eine Außenseiterrolle. Aber Davenport gewann drei Grand-Slam-Titel, sie war 84 Wochen lang die Nummer eins der Weltrangliste, sie gewann seit 22. Februar 1993, als sie ihr Profidebüt gab, mehr als 20 Millionen Dollar an Preisgeldern, und sie wird als Nummer zwei hinter der Russin Maria Scharapow in der Weltrangliste geführt.

Und natürlich kommt sie auch 2006 zum Grand Prix ins Schwäbische. Dann allerdings wird das Turnier in Stuttgart, in der neuen „Porsche Arena“, ausgetragen. Die Porsche AG kaufte die Namensrechte für die nächsten 20 Jahre und zahlt dafür der Stadt Stuttgart zehn Millionen Euro. „Das ist schon etwas traurig“, sagte Davenport. „Das Turnier hat seinen eigenen Charme, und es hat von diesem Charme gelebt. In Filderstadt war es so, als wäre man nach Hause gekommen. Ich hoffe, wir können das nächstes Jahr auch so genießen.“

Das hoffen die Zuschauer auch.

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