Sport : Die Rückkehr der alten Männer

Bei Mailand – San Remo dominieren Rad-Oldies

Tom Mustroph[Rom]
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Foto: dpaANSA

Unter den Software-Millionären des Silicon Valley hat Radsport inzwischen Golf als Disziplin Nummer eins abgelöst. Das hat Andy Rihs beobachtet. Der Hörgeräte-Unternehmer und Rennstallgründer (Phonak und BMC Racing) hält Radsport sogar für ein Management-Instrument. „Man bekommt den Kopf frei und findet Lösungen für bestimmte Probleme.“

Wer länger fährt, löst diese Probleme offensichtlich besser. Der 34-jährige Spanier Oscar Freire gewann den Frühjahrs-Klassiker Mailand – San Remo im Spurt vor dem 29-jährigen Belgier Tom Boonen und dem 36-jährigen Italiener Alessandro Petacchi. Die Jugend hatte keine Chance. Sowohl Vorjahressieger Mark Cavendish (24 Jahre) als auch der allgemein zum Favoriten ausgerufene Norweger Edvald Boasson Hagen (22) mussten ihre Hoffnungen schon am vorletzten Anstieg, der Cipressa, begraben.

Die Rückkehr der Oldies ist das Motto der neuen Radsportsaison. Der 38-jährige Lance Armstrong steuert auf einen Podestplatz bei der Tour de France zu. Sein früherer Adjutant Georges Hincapie (bald 37) soll bei Rihs’ BMC Racing Weltmeister Cadel Evans in diesen Bereich lotsen. Alexander Winokurow (geboren 1973) genießt beim Team Astana seine Rolle als Leitfigur. Danilo Hondo (geboren 1974) soll bei Lampre dem Kollegen Petacchi den Weg bahnen. Wenn er sich gut hält, bekommt er einen Anschlussvertrag.

Die Präsenz der Oldies hat mehrere Ursachen. Zum einen ist die medizinische Betreuung ausgefeilter als früher. Pikanterweise sind manche Präparate sowohl im Anti-Aging-Sektor beliebt als auch beim Doping verbreitet. Zum anderen fließt weltweit mehr Geld in den Radsport als vor einigen Jahren. Es gibt mehr Sponsoren aus nicht-klassischen Radsportländern. Diese neuen Player schaffen Arbeitsplätze. Und damit kommen erfahrene Profis zu einem Vertrag – sie werden als Aufbauhelfer engagiert.

Die Cleversten unter ihnen verbinden das Sportliche noch intensiver mit dem Geschäftlichen. Kasachstans Volksheld Winokurow kreierte den eigenen Arbeitsplatz und war damit Trendsetter. Lance Armstrong hat diese Entwicklung mit seinem Livestrong-Imperium zum Höhepunkt gebracht. In seinem Fahrwasser segelt nun Hincapie. Dessen Bekleidungsfirma ist Ausrüster von BMC. Hauptsponsor Rihs kleidet sich in Textilien, die das Logo eines seiner Angestellten tragen, der auch Geschäftspartner ist.

Bei dieser neuen Unübersichtlichkeit müssen die Protagonisten nur aufpassen, Business- und Trainingspläne noch in Einklang zu bringen. Das ist ihre größte Herausforderung.

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