Sport : Die Rückkehr des guten Gefühls Tim Lobinger kommt in Olympia-Form

Jörg Wenig[Paris]

Auf der Suche nach deutschen Medaillenanwärtern für die olympischen Leichtathletik-Wettbewerbe in Athen hat sich in Paris eine Hoffnung gefunden. Im Stabhochsprung, wieder einmal. Beim dritten Golden-League-Meeting der Saison überquerte Tim Lobinger am Freitagabend vor gut 50 000 Zuschauern im Stade de France in Paris die Marke von 5,75 Metern. Der Hallen-Weltmeister des vergangenen Jahres belegte damit in einem hochklassigen Feld Platz zwei und war höhengleich mit dem Sieger Aleksandr Averbukh aus Israel.

„Jetzt bekommt meine Saison langsam einen flüssigeren Verlauf. Die letzten zwei, drei Wettkämpfe haben mir gezeigt, dass ich auch noch höher als 5,80 Meter springen kann“, erklärte Tim Lobinger im Stade de France, wo er im vergangenen Jahr bei den Weltmeisterschaften als Fünfter eine Medaille verpasst hatte. „Ich hätte auch gewinnen können“, sagte der 31-jährige Springer des ASV Köln, der 5,75 m im zweiten Versuch übersprang und danach an einer deutschen Saisonbestmarke von 5,85 m dreimal scheiterte.

Die Sommersaison war in den letzten Jahren für Lobinger ein ewiges Auf und Ab. Oft gut in die Saison gestartet, fehlte ausgerechnet zum internationalen Höhepunkt die Konstanz. So verpasste Lobinger bei der WM 2003 eine Medaille, nachdem er 2001 sogar die WM-Qualifikation verpasst hatte. Dazwischen war er 2002 bei der EM von München Dritter, doch auch damals waren die Hoffnungen größer. Bei einer WM im Sommer oder bei Olympia hat der deutsche Rekordhalter (6,00 Meter) noch keine Medaille gewonnen. „Oft war es so, dass ich erst am Ende der Saison noch einmal erstklassige Form hatte“, sagt Lobinger.

In diesem Jahr soll es anders laufen. Lobingers Trainingsplanung ist nur auf Olympia ausgerichtet. Seine Saison verläuft anders als früher – zunächst schlechter, nun immer besser. Gleich fünf Wettkämpfe hatte Lobinger im Vorfeld der deutschen Meisterschaften ohne gültigen Versuch beendet. Ganz knapp, als Dritter, qualifizierte er sich bei den nationalen Titelkämpfen für Olympia. „Das hätte auch schief gehen können“, sagte Lobinger. „Zeitweilig hatte ich vollkommen das Gefühl für das Springen verloren, das hat mich verwirrt.“

Kurz nach den deutschen Meisterschaften hatte sich Lobinger auf Norderney auf 5,80 m verbessert. Doch wichtiger war der zweite Platz von Paris. „Es ist gut zu wissen, dass ich die Amerikaner besiegt habe.“ Nun muss er vielleicht nur die deutsche Konkurrenz fürchten. Istvan Gyulai, Generalsekretär des internationalen Leichtathletik-Verbandes, setzt auf einen anderen Deutschen: „Danny Ecker ist mein Favorit auf Olympiagold.“ Das allerdings sagte Gyulai, bevor Ecker in Paris ohne gültigen Versuch blieb.

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