Sport : Die Rückkehr des Parmesan

Italiens Fußball ist große Finanzkrisen gewöhnt – Florenz und Parma sind zwei Beispiele für gelungenen Überlebenskampf

Maciej Garbolinski

Als sich der VfB Stuttgart vor einer Woche im fast leeren Tardini Stadion gegen Parma quälte, haben zumindest die Insider an Borussia Dortmund gedacht. Der BVB ist nicht nur in seiner Existenz bedroht, Großaktionär Florian Homm will den Klub „falls notwendig“, unter dem Namen FC Dortmund neu gründen. In Italien kennt man das schon, dort gehören Finanzkrisen längst zum Alltag.

2001 wurde beispielsweise AC Fiorentina aufgelöst und in die Amateurliga als Florentia Viola verbannt. Italiens Fußballverband hatte ein Einsehen und beförderte wohl auch aufgrund der Tradition, die Florenz im Fußball verkörpert, den Klub per Dekret aus der vierten in die zweite Liga. Wie ein Phönix aus der Asche auferstand der Traditionsklub, auch weil die Verantwortlichen aus den eigenen Fehlern lernten. Nun spielt man wieder in der Serie A und den alten Namen hat man auch wieder eingeführt.

Nach Florenz ist Parma das jüngste Beispiel. Bereits zweimal hat der AC Parma den Uefa-Pokal gewonnen, 1995 und 1999. Nun steht der Verein wieder im Wettbewerb – als FC Parma allerdings. Der Unterschied ist zwar winzig, aber doch gravierend.

Die goldene Ära des einstigen Provinzklubs beginnt und endet mit dem Milchkonzern Parmalat und dessen Besitzer, Calisto Tanzi. 1987 hat Tanzi 20 Prozent der Parma-Anteile gekauft und seine Beteiligung in den folgenden Jahren vergrößert. Dank des mächtigen Sponsors wurde AC Parma rasch zum europäischen Spitzenklub. Der Schock kam in der Vorsaison, als die Gelbblauen gerade zum Sturm auf die erste Landesmeisterschaft ansetzten. Tanzis Königreich wurde durch das Gericht in Padua für insolvent erklärt und er selbst verhaftet. In dem Moment gehörten 98 Prozent des AC Parma zu Parmalat. Die mit Stars gespickte Mannschaft brauchte rund 40 Millionen Euro, um die Saison zu Ende zu spielen. Trotz des Verkaufs der größten Stars wie Nakata, Rosina und Zicu ist es nur dem neuen Konkursverfahren zu verdanken, dass Parma nicht völlig untergegangen ist. Der Verein musste sich allerdings neu gründen, als FC Parma.

Nun scheint Stuttgarts morgiger Gegner die schwerste Zeiten bereits hinter sich zu haben. Auch wenn er sportlich nur ein Schatten seiner selbst ist, wird seine Existenz nicht mehr in Frage gestellt. Da die Klubführung aber die Bedeutung des Wortes sparen neu beherrschen musste, ist nicht zu erwarten, dass der FC Parma sportlich schnell wieder an die guten Zeiten anknüpfen kann. Der Verein, in dessen Reihen einst Stars wie Zola, Buffon, Thuram, Cannavaro, Crespo oder Inters Torwartschreck Adriano spielten, kämpft verbissen um den Klassenerhalt und hat in dem 22-jährigen Stürmer Alberto Gilardino eigentlich nur einen Klassespieler.

Parma hat sein Überleben mit einer extremen sportlichen Schwächung bezahlt. Aber immerhin spielt der Klub noch in der ersten Liga. Dortmunds Fall liegt zwar etwas anders, aber auch die Borussia wird ohne massive Verkäufe ihrer Stars nicht finanziell genesen können.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben