Sport : Die Russen retten Rom nicht

Ölkonzern Nafta zieht Angebot für den Verein AS zurück

Paul Kreiner

Rom. Schluss. Basta. Njet. Der Verkauf des italienischen Fußballklubs AS Rom an den russischen Öl- und Finanzkonzern Nafta Moskwa ist geplatzt. Die Russen, so sagt man in Rom, hätten kalte Füße bekommen. Schließlich hatte die italienische Finanzpolizei am vergangenen Donnerstag auch den AS Rom in ihre Großrazzia gegen 53 Profivereine einbezogen. Der Verdacht: Bilanzfälschung. Die Absage aus Moskau traf nach vierwöchigen Verhandlungen am Sonntag, kurz vor dem Morgengrauen, in Rom ein. Dabei, so der italienische Vertrauensanwalt des Nafta-Konzerns, Salvatore Trifiro, „hatten wir schon den Füller zum Unterschreiben der Verträge in der Hand“.

400 Millionen Euro, vielleicht auch mehr, hätten die Russen zahlen wollen – davon 250 Millionen zur Tilgung der Vereinsschulden, 100 Millionen als Kaufpreis an den 77-jährigen römischen Bauunternehmer und Ölhändler Franco Sensi, den Rest an die Mannschaft. Doch die Ermittlungen der Finanzpolizei, so Anwalt Trifiro, hätten bei den Russen die Angst vor einem „Wirbelsturm“ unübersehbarer Folgelasten hervorgerufen. „Die Garantie, dass sie davon verschont bleiben würden, konnte ihnen keiner geben.“

Fans, Trainer und manche italienische Medien wollten am Montag die Hoffnung auf eine Rettung Roms durch die Russen noch nicht fahren lassen. Die Absage könne auch ein taktisches Manöver gewesen sein, um den Kaufpreis zu drücken. Doch Anwalt Trifiro schließt eine Neuaufnahme der Verhandlungen „definitiv“ aus. Mit einer Mannschaft, die aufgrund ihrer Verschuldung womöglich nicht im internationalen Wettbewerb starten darf, scheint Moskau keine Freude gehabt zu haben. Die Frist zur Schuldenregulierung läuft schon in vier Wochen aus.

Franco Sensi, Mehrheitseigentümer des börsennotierten römischen Traditionsvereins, hat die Absage aus Moskau zunächst nicht kommentiert. Dafür drücken andere ihr Bedauern darüber aus, dass es mit der Finanzspritze für den italienischen Fußball – die Vereine der ersten und zweiten Liga stehen mit nahezu zwei Milliarden Euro in der Kreide – nichts wird. „Russen oder Staatenlose“, sagt der frühere Ministerpräsident Giulio Andreotti, „völlig egal. Hauptsache, sie befreien uns von diesen Geldproblemen.“ Währenddessen sitzt die Finanzpolizei über 500 Kartons mit Akten, die sie bei der landesweiten Durchsuchung beschlagnahmt hat.

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