Sport : Die Saison retten

Schalke 04 will in Sevilla ins Uefa-Cup-Finale

Jörg Strohschein

Sevilla - Andreas Müller winkte ab. „Es bringt nichts, den Jungs Ratschläge zu geben“, sagte der Teammanager des FC Schalke 04. Müller hat 1997 selbst den Uefa-Pokal gewonnen und erschien daher geeignet, seinen Spielern vor dem Rückspiel im Halbfinale dieses Wettbewerbs am Donnerstag beim FC Sevilla (Hinspiel 0:0) ein paar Tipps zukommen zu lassen. „Das waren andere Zeiten“, sagte Müller, „wir hatten eine andere Mannschaft und haben mehr vom Teamgeist gelebt. Wir hatten nicht diese Einzelkönner.“

Genau diese Einzelkönner sind wohl der Grund für die auffällige Zurückhaltung, die der 43 Jahre alte Müller in diesen Tagen pflegt. Zumindest konnten sie, allen voran Lincoln und Kevin Kuranyi, in den vergangenen Spielen nur selten andeuten, dass ihre Fähigkeiten zum Einzug in ein europäisches Finale genügen. Und weil auch noch der Teamgeist in Schalke nur mäßig ausgebildet ist, hat das Team alle Saisonziele verfehlt, die Champions League praktisch verpasst und den Trainer Ralf Rangnick verschlissen. Auch sein Nachfolger Mirko Slomka, nach geglücktem Start in die Rückrunde mittlerweile seit sechs Spielen in Folge sieglos, ist inzwischen an die charakterlichen Grenzen der Mannschaft gestoßen.

Für die Schalker ist der Uefa-Pokal die letzte Chance, „der Saison vielleicht noch einen anderen Geschmack zu geben“, sagt Rudi Assauer. Doch der Tenor des Managers ist eindeutig: Die Investitionen des Klubs haben sich nicht ausgezahlt. So erhielt Spielmacher Lincoln von Assauer eine eher kuriose Beurteilung seiner Saisonleistungen, auch wenn Bayern München bereits Interesse an dem Brasilianer bekundet hat. Auch Angreifer Kevin Kuranyi, der im Sommer für rund sieben Millionen Euro gekommen war, macht die Klubverantwortlichen nicht eben zuversichtlich. Im Umfeld des Klubs wird er aufgrund seiner Auftritte als Werbestar und den gleichzeitig mangelnden Leistungen auf dem Spielfeld bereits mit der russischen Tennisspielerin Anna Kurnikowa verglichen.

Der heutige Auftritt in Sevilla bietet die Möglichkeit, diesen Eindruck zu korrigieren. Mirko Slomka ist sich der Bedeutung jenes Wettbewerbs bewusst, dessen Erreichen Schalke in dieser Saison eigentlich unbedingt vermeiden wollte. „In der Vergangenheit wurde der Uefa-Cup von der Öffentlichkeit ein wenig stiefmütterlich angesehen“, sagt der Trainer, ein Spiel vor dem Finale habe sich das aber geändert. Allerdings könnte fünf Spielern im Endspiel die Zuschauerrolle drohen. Hamit Altintop, Gerald Asamoah, Christian Poulsen, Fabian Ernst und Dario Rodriguez wären bei einer weiteren Gelben Karte gesperrt. „Die Spieler wissen das natürlich“, sagt Slomka. „Sie müssen sich trotzdem einhundertprozentig einsetzen.“

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