Sport : Die schiere Wucht

Trotz eines Gegentreffers von Makaay bezwingt Wolfsburg die Bayern mit 3:2

Frank Heike

Wolfsburg. Die Atmosphäre glich einer Meisterschaftsfeier. Der Stadionsprecher brüllte etwas von einem „historischen Tag“ ins Mikrofon, die Wolfsburger Spieler lagen sich jubelnd in den Armen, und Spielführer Stefan Schnoor ließ sich nach dem Schlusspfiff einfach vornüber auf den Rasen fallen. So groß war das Glück, endlich einmal ein wichtiges Spiel mit dem VfL gewonnen zu haben. Das erst kurz vor Schluss sichergestellte 3:2 (1:0) der Wolfsburger gegen den FC Bayern München vor 30 000 Zuschauern in der ausverkauften Volkswagen-Arena ließ die Fans jubilieren und Trainer Jürgen Röber zu Superlativen greifen. „Wir haben heute eine sensationelle Moral bewiesen“, sagte Röber. „Heute ist ein wunderschöner Tag für den VfL Wolfsburg.“

Ja, das war es in der Tat für den Übungsleiter und den Manager Peter Pander. Sie durften sich nach der dramatischen Partie auch persönlich feiern lassen, denn zwei von ihnen erst vor wenigen Tagen ausgeliehene Spieler wurden zu den Hauptdarstellern des Nachmittags: zum einen der auf beiden Flügeln wirbelnde Argentinier Juan Carlos Menseguez, zum anderen der zweifache Torschütze Fernando Baiano. Ihn hatte der VfL erst vor zehn Tagen aus Brasilien von Flamengo Rio de Janeiro geholt. Nun stand er nach dem Abpfiff vor den deutschen Reportern und diktierte ihnen mittels einer Übersetzerin Sätze voller Euphorie in die Blöcke. „Ich bin einfach glücklich“, sagte Baiano. „So glücklich, dass ich gar nicht sagen kann, wie sehr.“

Schon in der elften Spielminute war dem glücklichen Neuzugang das 1:0 gelungen, als er einen Fehler von Bayerns Torwart Oliver Kahn ausnutzte. Später, nach Bastian Schweinsteigers Ausgleich und Roy Makaays Führungstreffer in der zweiten Halbzeit, gelang Baiano der Ausgleich. In der 83. Minute traf er sehenswert in den Winkel.

Das erste Tor des Münchner Millioneneinkaufs Makaay war da schon nur noch die Hälfte wert. So bewertete auch Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld das Erfolgserlebnis des Holländers. „Ich freue mich über das Tor, es hätte ein goldenes Tor werden können“, sagte Hitzfeld. „Aber so war es ein Treffer ohne Wert.“

Ungleich wertvoller war der Treffer von Diego Fernando Klimowicz kurz vor dem Abpfiff: Als die schiere Wucht der Wolfsburger Angriffe die Bayern längst in den eigenen Strafraum zurückdrängte, lag der Ball nach einer unübersichtlichen Situation plötzlich zehn Meter vor dem Tor von Kahn – Klimowicz, der dritte Südamerikaner der Wolfsburger an diesem Tag, stürmte heran und traf zum Sieg. Noch nie hatten die Wolfsburger als Mitglied der Bundesliga gegen den FC Bayern gewonnen. Nach 12 Niederlagen und einem Remis seit 1997 war die negative Serie nun endlich vorbei.

Ottmar Hitzfeld sah später die vielen Abstellungen seiner Profis zu Nationalmannschaften als Grund für die Niederlage an. „Bei uns hat am Ende die Kraft gefehlt, da haben wir immer mehr abgebaut“, sagte Hitzfeld. Neben den Verletzten Ballack, Pizarro, Deisler und Jeremies wird dem Trainer nun auch noch Ze Roberto fehlen, der sich an den Adduktoren verletzte. Schon am Samstag in Wolfsburg war die Personalnot so groß, dass der bei den Amateuren spielende Torsten Fink eingewechselt werden musste.

Im Hinblick auf das erste Spiel in der Champions League am Mittwoch gegen Celtic Glasgow verfiel Hitzfeld in Sarkasmus. „Irgendwie werden wir eine schlagkräftige Mannschaft aufbauen“, sagte er und ging.

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