• Die Schmeling-Halle wird gut gefüllt sein - doch aus der Bundesstadt reisen nur 170 Fans an

Sport : Die Schmeling-Halle wird gut gefüllt sein - doch aus der Bundesstadt reisen nur 170 Fans an

Dietmar Wenck

Es ist wie fast immer vor den Spielen zwischen den Basketballern von Alba Berlin und den Telekom Baskets Bonn. Die Schmeling-Halle wird heute (Beginn 14 Uhr, Fernsehaufzeichnung in B 1 zwischen 16.15 Uhr und 16.45 Uhr) ziemlich voll sein. Der Spielleiter hat die Partie wegen ihrer herausgehobenen Bedeutung ans Ende der Bundesliga-Vor- und Rückrunde gesetzt, auch das hat schon Tradition. Alba ist Tabellenführer (22:2 Punkte), Bonn Dritter (16:4). Beide sind Finalisten der Vorsaison, erneut erste Meisterschaftsanwärter, verloren aber ihre letzten Spiele: Berlin in Leverkusen, die Baskets daheim gegen Frankfurt. "Das ist schon ein besonderes Spiel", sagt Albas Vizepräsident Marco Baldi. Doch wenn auch Geschäftsführer Robert Mayer mit 7000 bis 7500 Zuschauern rechnet, wird eines anders sein als sonst: Aus Bonn treten nur wenige Fans die Reise nach Berlin an.

"Zwei Busse kommen", sagt Baskets-Abteilungsleiter Wolfgang Wiedlich, rund 170 Bonner insgesamt. Zuletzt hatte er dreimal Sonderzüge aus der alten in die neue Hauptstadt organisiert, die zehnfache Anzahl an Zuschauern reiste mit. Aber jetzt, sagt er, "sind wir nicht mehr so auf Berlin fokussiert. Das Verhältnis hat sich normalisiert". Man könnte auch sagen: abgekühlt. Grund dafür ist die Finalserie zum Abschluss der vergangenen Saison. Da gab es Missstimmung. Einerseits, weil die Berliner vor dem vierten Spiel einer Verlegung von der Bonner Hardtberghalle in die Kölnarena nicht zustimmten. Andererseits fühlten sich die Westdeutschen im entscheidenden fünften Finalspiel benachteiligt, weil sie nicht die gewohnten Plätze direkt hinter dem Korb bekamen und viele von ihnen im Oberring Platz nehmen mussten. Auch bei der Siegerehrung gingen die unterlegenen Bonner völlig unter. "Da wirkt in Fan-Kreisen noch einiges nach", sagt Wiedlich.

Verständnis zeigt Mayer wegen der Kritik an der Siegerehrung. "Das war nicht unser Stil, wir haben auch Fehler gemacht", gibt er zu. Weniger einsichtig sind die Berliner dagegen, was die Ticket-Vergabe angeht. "Wir haben dieses Heimrecht im fünften Spiel nicht geschenkt bekommen, sondern es uns erkämpft", beharrt Vizepräsident Marco Baldi. Die Spielordnung der Bundesliga besagt gar, dass den Gästen nur 50 Sitzplätze zugestanden hätten. So weit immerhin sind die Berliner nicht gegangen. Überhaupt, sagt Wiedlich, hätten sich die Emotionen gelegt. Vor drei Wochen traf er sich mit Baldi, Mayer und dem neuen Manager Carsten Kerner zur Aussprache. "Das Verhalten Albas ist nachvollziehbar, was das Sportliche und Wirtschaftliche anbelangt", sagt Wiedlich und meint damit die Ticket-Verteilung.

Ein Gesprächsangebot von Baldi mit Bonner Fanklubs wurde bisher nicht angenommen. Das soll bald geschehen. Im Übrigen hängt den Berlinern mittlerweile das Thema zum Halse heraus. "Es wird Zeit, dass wir endlich wieder gegeneinander spielen", sagt Baldi und will lieber über das Sportliche reden, "beide müssen gewinnen, um nicht weiter an Boden zu verlieren." Auch Wiedlich setzt vorerst andere Prioritäten: "Für uns ist das sportliche Highlight das Spiel nächsten Dienstag gegen St. Pölten." Da geht es für die Baskets um das Weiterkommen im Saporta-Cup. Außerdem gibt es im Frühjahr ein Rückspiel in Bonn und in den Play-offs wahrscheinlich ein weiteres Kräftemessen. Dann, da kann man beinahe sicher sein, werden auch die Züge wieder rollen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben