Sport : Die Schnäppchentruppe

Wer Schalkes UI-Cup-Gegner FC Superfund wirklich ist

Markus Huber

Wenn die Herren von Schalke 04 heute um 18 Uhr zum UI-Cup-Finale gegen den FC Superfund ins so genannte Paschinger Waldstadion einlaufen, dann werden sie sich alles in allem etwas wundern – denn echt ist dort gar nichts. Allein schon der Spielort, das Waldstadion: Einen Wald gab es in dieser Gegend zuletzt 1950, seitdem ist alles niedergeholzt, um Platz zu schaffen für Einkaufszentren, Kinos und andere Bausünden. Von einem Stadion zu sprechen, ist sowieso gewagt – angesichts des einfachen Fußballplatzes mit einem Fassungsvermögen von 7000 Menschen – aber auch nur, wenn die örtliche Polizei beide Augen zudrückt. Und dann wäre noch der Name: FC Superfund. Superfund findet man auf keiner Landkarte, denn es ist eine Hommage an den Sponsor, der sich die Namensänderung im Sommer für etwas mehr als eine Million Euro gekauft hat. Doch auch Pasching, wie der Klub früher hieß, würde man nur auf ganz genauen Karten finden: Es ist ein Vorort der oberösterreichischen Hauptstadt Linz, der sich vor allem durch seine Shopping-Center einen Namen gemacht hat. Die Siedlung ist eine Retorte, genauso wie der Fußballklub.

Denn gemessen am FC Superfund ist sogar der Football-Klub der Berlin Thunder ein über Jahrzehnte gewachsener Traditionsverein. In Pasching übernahm vor sieben Jahren der Linzer Spediteur Franz Grad das Präsidentenamt, und seitdem ist es mit dem Klub, der damals in der siebten österreichischen Spielklasse kickte, ständig nach oben gegangen. Sechsmal stieg der FC Pasching in diesen sieben Jahren auf, großzügig alimentiert aus der Privatkasse des Präsidenten. Als Pasching im Vorjahr in die österreichische Bundesliga aufstieg, dachte niemand ernsthaft daran, dass sich der Klub länger als ein Jahr in der höchsten Spielklasse halten würde. Wie bekannt, kam es dann anders. Bis fünf Runden vor Schluss war Pasching sogar auf Champions-League-Kurs. Möglich gemacht wurde das von der einzigen Konstanten des Klubs, dem Trainer Georg Zellhofer.

Der ehemalige österreichische Durchschnittskicker schaffte es in dieser Zeit, aus einem jährlich neu zusammengekauften Kader, der immer der Spielklasse angemessen war, eine funktionierende Mannschaft zu formen. Die Mannschaft, die heute gegen Schalke aufläuft und vor zwei Wochen Werder Bremen mit 4:0 deklassiert hatte, ist ebenfalls so eine Schnäppchentruppe – zusammengewürfelt aus der Konkursmasse dreier ehemaliger Bundesliga-Klubs, vom FC Tirol bis zu Lask Linz, aufgemischt mit bereits in die Jahre gekommenen Legionären und Österreichern, die bei anderen Ösi-Mannschaften den Durchbruch nicht geschafft haben. Der einzige Star, Stürmer Edi Glieder, spielte bereits bei fünf Bundesliga-Mannschaften, den Durchbruch schaffte der 34-Jährige aber erst in Pasching – ähnlich wie Torwart Josef Schicklgruber oder der Kurzzeit-Hamburger Michael Baur.

Im Spiel gegen Schalke werden sie sich alle beweisen wollen – auch, weil sie wahrscheinlich wissen, dass es ihr letztes internationales Match sein wird. Denn in diesem Jahr schaut es für Superfund in der österreichischen Bundesliga nicht gut aus. Am Wochenende gab es in der dritten Runde die ersten drei Punkte, allgemein wird damit gerechnet, dass Superfund in diesem Jahr gegen den Abstieg spielen wird. Der Grund: Trainer Georg Zellhofer ließ sich vor zwei Wochen beurlauben – er benötigte nach eigenen Angaben eine Auszeit.

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