Sport : Die schnellste Stadt der Welt

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Berlin hat schon mit allerhand Titeln angegeben, aber eines kann es guten Gewissens von sich behaupten: Berlin ist die schnellste Stadt der Welt. Nach wie vor hält Berlin den kürzesten und den längsten Weltrekord der olympischen Leichtathletik, also der traditionsreichsten aller Sportarten. Usain Bolt lief bisher nicht schneller als seine 9,58 Sekunden bei der WM 2009. Und der Weltrekord auf der Marathonstrecke wird zwar regelmäßig verbessert, aber zuletzt immer in Berlin.

Ob also auf dem blauen Tartan des Olympiastadions oder auf dem grauen Asphalt mehrerer Bezirke – in Berlin kommt man so schnell ans Ziel wie nirgendwo sonst. Diese Faszination des Rasanten zieht die besten Läufer der Welt gleichermaßen an wie auch die Freizeitläufer, die wissen, dass sie in Berlin keine beschwerlichen Anstiege und bremsenden Kurven erwarten wie bei anderen großen Stadtmarathons und ein großartiges Publikum. Das wäre eigentlich eine schöne Symbolik fürs Stadtmarketing.

Vielleicht hat sich Berlin aber damit noch zurückgehalten, weil das mit dem guten Gewissen in der Leichtathletik so eine Sache ist. Rekord und verdächtig ist inzwischen ein Begriffspaar geworden. Und es könnte etwas peinlich werden, wenn Berlin mit seinen Weltbestzeiten wirbt, die dann später als manipuliert auffliegen. Die Befürchtung wäre, dass sich die Welt über eine gedopte Stadt lustig macht. Beim Googeln würde man auch auf das Zitat des Antidopingkämpfers Werner Franke stoßen, der angesichts des DDR-Staatsdopings sagte: „Es gibt kaum einen Pflasterstein in Hohenschönhausen, der nicht gedopt ist.“

Doch selbst, wenn ein Rekord nicht sauber erbracht wurde: Berlin hätte niemanden betrogen, gedopt wird auf der ganzen Welt. Es herrscht doch Chancengleichheit. Berlin sollte sich also schleunigst schneller vermarkten.

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