Sport : Die Schwächen der Pinguine

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Peter Pacult hat eine klare Meinung, zu vielen Dingen. Kurz nach der Einführung der Torrichter in der Europa League resümierte der frühere Bundesligaprofi und heutige Trainer von Rapid Wien: „Da stehen halt zwei mehr unnütz rum. Ich denke nicht, dass es das Spiel zusätzlich belastet, wenn zwei Pinguine mehr rumlaufen.“ Die Uefa bewertet ihr Experiment positiver, der europäische Fußballverband setzt auch bei der Europameisterschaft 2012 in der Ukraine und Polen auf die neuen Unparteiischen. Ein wirklicher Fortschritt ist das nicht, der traditionsbewusste Sport entwickelt sich aber eben immer nur im Rahmen seiner Möglichkeiten.

Fortschritt wird im Fußball stets gleichzeitig ersehnt und gefürchtet. Einerseits wird jede strittige Szene im Fernsehen aus dutzenden Blickwinkeln und mit unzähligen Wiederholungen seziert, das Laufpensum jedes Spielers und jede Passstatistik zum spielentscheidenden Faktor erhoben. Gleichzeitig verweigern sich die großen Verbände technischen Hilfsmitteln. Weder der Videobeweis noch Torkameras oder der Chip im Ball sind erwünscht, der Sport soll seiner Ursprungsform so nahe wie möglich bleiben. Insofern ist es verständlich, dass die Uefa auf den Mensch als Hilfsmittel setzt – allerdings mit all seinen Schwächen, seiner Fehlbarkeit und Bestechlichkeit. So müssen Fans und Spieler weiter mit Fehlentscheidungen leben, die ein Videobeweis wahrscheinlich verhindern könnte.

Die zwölf Augen der nunmehr sechs Unparteiischen – beziehungsweise der sechs Pinguine – sehen mit Sicherheit mehr als zwei. Aber immer noch weniger als ein Dutzend Kameras.

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