Sport : Die Schweiz setzt Segel

Alinghi siegt im ersten Rennen beim America’s Cup

Ingo Petz

Valencia - Ruhig und selbstsicher wie ein umsichtiger General steht Brad Butterworth auf der SUI 100 und gibt bedächtig seine Kommandos. „Wir laufen gut, wir laufen gut“, ruft der neuseeländische Taktiker unter Schweizer Flagge, während sich die schwarz-rote Yacht wie ein Wal durch die Wellen schiebt. Der America’s-Cup-Titelverteidiger wendet immer wieder auf der ersten Kreuz, um die Neuseeländer abzuschütteln. Mit jeder Wende wächst der Abstand um rund zehn Meter, was wohl auf einen ordentlichen Geschwindigkeitsvorteil des neuesten Alinghi-Bootes gegen den Wind schließen lässt. Danach war die Vorentscheidung im ersten Finalrennen des 32. America’s Cups bereits gefallen. Die Schweizer hielten fortan die Neuseeländer dicht an ihrem Heck, so dass sie den America’s-Cup-Sieger von 1995 und 2000 jederzeit kontrollieren konnten. 35 Sekunden hinter dem Titelverteidiger glitt die NZL 92 schließlich über die Ziellinie. 1:0 steht es für Alinghi – ein erster Schritt in Richtung einer erfolgreichen Titelverteidigung. Alinghis deutscher Sportdirektor Jochen Schümann, der im Finale nicht an Bord war, freute sich: „Das war ein sehr guter Start für uns, so kann es weitergehen. Unsere Bootsgeschwindigkeit war sehr, sehr gut. Das ist eine gute Grundlage für die nächsten Rennen. Ich fand es allerdings etwas komisch, das Rennen vom Land aus beobachten zu müssen und nicht eingreifen zu können.“

Das Finale auf dem 12,6 Seemeilen langen Kurs begann spannend. Emirates Team New Zealand war bei äußerst schwierigen Wasserbedingungen und Winden um die zwölf Knoten gut gestartet, gleichauf mit der neuseeländisch-schweizerischen Perfektionsmaschine Alinghi. Auf der rechten Seite konnte Steuermann Dean Barker seinem US-amerikanischen Kontrahenten Ed Baird lange Zeit die Stirn bieten. Danach entwickelte sich das brisante Duell der Erzfeinde aber zu einer vorhersehbaren spiegelverkehrten Wiederholung des Louis-Vuitton-Cup-Finales vor zwei Wochen, als die Neuseeländer ihren Gegner Luna Rossa ähnlich dominiert hatten.

Hunderte von Neuseeländern waren im Hafen von Valencia unterwegs, mit blauen Flaggen und schwarzen T-Shirts, um ihr Team zu unterstützen. Eine Gruppe trug ein Banner, das das neuseeländische Traditionsspielzeug BuzzyBee zeigte, eine Holzbiene auf Rädern mit rotierenden Flügeln. Dazu die Aufschrift: „Let’s get BuzzyBee.“ Die Neuseeländer hatten vor dem Rennen eine schmalere und längere Kielbombe unter ihrer Yacht montiert, von der sie sich mehr Auftrieb und Geschwindigkeit erhofften.

Das multinationale Team von Alinghi fand sogar Unterstützung durch die hohe Politik. Die Schweizer Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey war extra in Spaniens drittgrößte Stadt gereist, um dem Cup-Team des Milliardärs Ernesto Bertarelli die Daumen zu drücken. Rund 80 000 Besucher strömten gestern durch den Hafen und verfolgten das Finale auf Großbildleinwänden, spanische und schweizerische Jet-Kunstflugstaffeln flogen am Himmel. Auf der Nordseite hatten Tausende Alinghi-Anhänger die Crew bejubelt, als sie sich unter strahlend blauem Himmel auf den Weg zum ersten Rennen machte. Kuhglocken läuteten, und aus den Lautsprechern dröhnte der Team-Song der Schweizer – „Can’t Stop“ von den Red Hot Chili Peppers. Das Lied wurde somit unfreiwillig zur Botschaft des Tages. Denn wenn Alinghi so weitermacht, wird sie nicht zu stoppen sein. Ingo Petz

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