Sport : Die Selbstbewussten

In 18 Tagen durch die Liga (16) – die Serie zum Saisonstart im Fußball / Heute: FC Bayern München

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Die neue Saison der Fußball-Bundesliga beginnt am 9. August. Anhand von zehn Fragen stellen wir bis dahin alle 18 Vereine vor.

Wer hat das Sagen? Obwohl Franz Beckenbauer jeden Tag mit dicken Überschriften und neuen Kindergerüchten in den Zeitungen steht, sind es der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge und Manager Uli Hoeneß, die für den Verein FC Bayern denken und ihn lenken. Abwechselnd tauchen die beiden früheren Profis in der Öffentlichkeit mit Kritik und Vorschlägen auf. Die Rolle des Frontmannes hat weiter Hoeneß inne, der als Prellbock Ärger bewusst auf sich selbst zieht, während Rummenigge mehr in die Rolle des Außenministers und „Elder Statesman“ schlüpft. Ohne Rummenigge und Hoeneß läuft an der Säbener Straße nichts.

Was ist das Besondere? Bayern-AG-Chef Rummenigge verkündete eine neue Philosophie. Es sollen in Zukunft wieder mehr „hochkarätige Spieler“ eingekauft werden. Angesichts der spendablen Konkurrenz aus Italien, Spanien und England hatten sich die Münchner lange Zurückhaltung auferlegt. Jetzt, wo es den anderen finanziell schlecht geht, sehen die Münchner ihre Chance, zu verträglichen Preisen einzukaufen. Aus der Ansicht, hier einen Vorteil zu haben, erwächst Selbstvertrauen.

Was hat sich verbessert? Noch besser? Das geht kaum. Aber die Münchner haben auch das geschafft. „Wir haben die besten Sponsorenverträge der Vereinsgeschichte abgeschlossen“, sagte Manager Uli Hoeneß zufrieden. 20 Millionen Euro pro Jahr zahlt die Deutsche Telekom, Ausrüster Adidas beteiligt sich mit 150 Millionen an der Aktiengesellschaft. Das Geld fließt ins neue Stadion, das bis zur Weltmeisterschaft 2006 fertig sein soll. Der Versicherungskonzern Allianz hat die nsrechte für das Stadion erworben. Trainingsgelände und medizinische Versorgung sind in München schon seit Jahren erstklassig. Es bleibt dabei. Noch besser? Es geht kaum.

Wie sicher ist der Trainer? Ottmar Hitzfeld ist seit dem 1. Juni 1998 in München. Er gewann die Champions League, Meisterschaften, den DFB-Pokal, den Ligapokal und den Weltpokal. In der vergangenen Saison allerdings blieb er ohne Titel. Mit dem „vielleicht stärksten Kader überhaupt“ (Rummenigge) muss Hitzfeld mehr bieten. Obwohl die Vereinsführung „wie eine Wand“ hinter ihm steht, helfen ihm nur Titel. Das haben Rummenigge und Hoeneß unmissverständlich in aller Öffentlichkeit vermittelt. „Er kann noch fünf Jahre bleiben“, sagt Hoeneß über den bis 2004 laufenden Vertrages des Trainers. Klappt die Integration der Neuen nicht, könnte es irgendwann schwierig werden. Aber wer erwartet im Ernst, dass Hitzfeld mit dieser Mannschaft keinen Erfolg haben wird? Das Turnier zum 100-jährigen Jubiläum von Real Madrid am vergangenen Wochenende haben die Münchner mit Siegen gegen den AC Mailand und die Gastgeber gleich einmal gewonnen.

Wie passen die Neuen? Gute Frage. Sebastian Deisler, der von Hertha BSC gekommen ist und der der neue Jungstar werden sollte, ist verletzt und kann frühestens zur Rückrunde eingreifen. Bei Michael Ballack und dem ehemaligen Leverkusener Ze Roberto gibt es weniger Fragezeichen. Sie gehören zum Besten, was die Liga zu bieten hat. Wenn Michael Ballack an seine Form der vergangenen Saison anknüpfen kann und nicht nur als Nachfolger des Spielmachers Stefan Effenberg abgestempelt wird, wird es keine Probleme geben. Ze Roberto soll die linke Seite beleben. Die Münchner haben sich wieder einmal nur Top-Leute geangelt. Und eben die lassen Vorfreude aufkommen.

Welche Taktik ist zu erwarten? Es wird rotiert. Das hat Trainer Hitzfeld angekündigt. Sonst wird es kaum möglich sein, im Kader Ruhe zu bekommen. Grundsätzlich werden die Münchner eine Art 4-4-2 System spielen. Mit Viererkette in der Abwehr und je nach Ausrichtung im Mittelfeld mit vier oder gar fünf Spielern. Davon hängt auch die Besetzung des Angriffs ab. Dort muss sich vor allem Pizarro Gedanken machen. Giovane Elber, der derzeit an einer Wadenprellung laboriert, und selbst Mehmet Scholl haben hier bessere Chancen.

Wer sind die Stars? Fast alle. Von den etablierten Kräften wie Oliver Kahn, Mehmet Scholl und Giovane Elber bis hin zu den Einkäufen Michael Ballack und Ze Roberto. Spieler wie Owen Hargreaves, Samuel Kuffour und Hasan Salihamidzic haben sich ihre Nischen erobert. Bixente Lizarazu gehört zu den stillen Stars im Kader.

Wie wird der Mangel verwaltet? „Wir werden nicht juhee schreien, weil es überall bergab geht“, sagt Manager Uli Hoeneß. Trotz der prallen Verträge mit Sponsoren hat auch Hoeneß „Einsparungen“ angekündigt. Zwei bis drei Millionen Euro sollen es sein. Weniger Sonderprämien sind geplant, und bei Auswärtsspielen werde der Mannschaftsbus der Münchner „nicht mehr nach Kiew oder Moskau vorausgeschickt. Wir mieten dort einen. Das spart Geld und geht auch.“ Eine neue Bescheidenheit bricht trotzdem nicht aus. Die Profis werden fürstlich entlohnt.

Was gibt das Stadion her? Das Olympiastadion ist seit der Bauentscheidung für die neue Arena nur noch eine Übergangslösung, die mit Problemen behaftet ist. Im Winter kalt, ohne entsprechenden Komfort für Zuschauer und Spieler. Das neue Stadion wird „eines der schönsten der Welt“ verspricht Manager Uli Hoeneß. Es kann nicht nur in den Vereinsfarben beleuchtet werden, sondern wird als reine Fußballarena zu einer ganz neuen Stimmung beitragen.

Wie sind die Fans? Erfolgsverwöhnt, sagen die einen, arrogant die anderen. Bei Auswärtsspielen werden sie meist mit Schmähgesängen bedacht. Ihr selbstbewusstes Motto: Viel Feind, viel Ehr. Es gibt in Deutschland kaum einen Verein, der sich so intensiv um seine Fans kümmert. Viele ehemalige Bayern-Spieler sind ins Geschäft mit dem Kunden eingebunden. „Die Fans sind unser wichtigstes Kapital“, sagt Rummenigge. Ein verstaubter Spruch, der ein Körnchen Wahrheit enthält. Für die Münchner Schickeria gilt es längst als schick, Ausflüge zu den Heimspielen der Bayern zu machen. Selbst Boris Becker gehört dem Freundeskreis der Münchner an. Die Logen im neuen Stadion werden sich problemlos verkaufen lassen.

Oliver Trust

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