Sport : Die Show des Rückkehrers

Philipp Petzschner sichert mit seinem Sieg dem Davis-Cup-Team den Einzug ins Viertelfinale

Petra Philippsen[Zagreb]
Zum Aufschlag reicht’s noch. Ansonsten fehlte Philipp Kohlschreiber gegen Marin Cilic die Kraft für erfolgreiche Attacken. Der Kroate Cilic gewann das Spiel problemlos. Foto: dpa
Zum Aufschlag reicht’s noch. Ansonsten fehlte Philipp Kohlschreiber gegen Marin Cilic die Kraft für erfolgreiche Attacken. Der...Foto: AFP

Am Samstagabend hatte die kleine Mannschaftskonferenz im Zagreber Nobel-Hotel „Westin“ nicht lange gedauert. Es gab nicht viel zu diskutieren im deutschen Davis-Cup-Team, denn dass Tennisprofi Philipp Petzschner anstelle von Florian Mayer im möglichen fünften Einzel eingesetzt würde, war nur eine logische Konsequenz. Mayer haderte noch immer mit seiner Auftaktniederlage gegen Marin Cilic, Petzschner dagegen hatte im Doppel groß aufgetrumpft. Der 26-jährige Bayreuther strotzte geradezu vor Selbstvertrauen. „Ich bin fit“, hatte Petzschner verkündet, und Teamchef Patrik Kühnen sollte den Wechsel nicht bereuen. Petzschner zeigte wieder eine herausragende Leistung und bescherte den Deutschen mit seinem 6:4, 7:6 und 7:6-Sieg gegen Ivo Karlovic den Einzug ins Viertelfinale des Davis-Cups. „Ich bin glücklich für mich und das Team, heute werde ich mich betrinken“, erklärte Petzschner.

Dass im entscheidenden Einzel erneut der 2,08 Meter große Kroate Petzschners Gegner sein würde, davon war auch Kühnen fest ausgegangen. Ivan Dodig, der eigentliche zweite Mann, hatte an den ersten beiden Tagen insgesamt über acht Stunden auf dem Platz gestanden und war erschöpft. Und Petzschner freute sich auf das Wiedersehen, schließlich hatte er während des Doppels eine plötzliche Erleuchtung gehabt: „Ich konnte auf einmal den Aufschlag von Karlovic lesen, das ist mir in zehn Jahren bisher nicht gelungen.“

Und Petzschner sollte es auch am Sonntag schaffen, die stärkste Waffe des Kroaten zu entschärfen. Kein leichtes Unterfangen, hatte dieser gerade mit 251 km/h doch einen Weltrekord aufgestellt. Doch Petzschner überflügelte ihn sogar in Punkto Asse: 21 hatte der Deutsche, Karlovic nur 16. Petzschner war ihm in allen Belangen überlegen.

Dieses Spiel krönte Petzschners Rückkehr ins deutsche Team nach dreijähriger Abstinenz. Viel Unruhe hatte es im letzten Jahr noch um ihn gegeben, dem begnadeten Talent, dem sein Querkopf aber zu oft im Weg steht. Und so hatte er in Zagreb immer wieder betont: „Wir sind ein Team, und wir verstehen uns super. Egal, wer ins Rennen geschickt wird – die Anderen unterstützen ihn.“ Sie seien keine bloße Zweckgemeinschaft, wiederholte Petzschner ernst. Dass genau dies im Vorfeld der Davis-Cup-Partie verbreitet worden war, hatte ihn wie seine Kollegen geärgert, besonders die Behauptung, Petzschner habe ein Problem mit Philipp Kohlschreiber. Schließlich würden sich die vier Spieler ja von Jugend an kennen. „Für mich ist es eine Ehre, wieder Teil dieses Teams zu sein“, sagte Petzschner.

Doch dass er und Kohlschreiber nie die dicksten Freunde werden, war weder neu noch sonderlich dramatisch. Und es hätte sich wohl auch kaum jemand vor diesem Duell darum geschert, wenn Petzschner es nicht so betont und Kohlschreiber mannschaftsintern keine schwierige Vorgeschichte gehabt hätte. Die Mannschaft gab sich ungekünstelt demonstrativ geschlossen. Es war verständlich, dass die Mitspieler Kohlschreiber als ihre nominelle Nummer eins stärken wollten, hatte der Weltranglisten-35. doch bisher eine miserable Saison gespielt.

Und auch gegen Cilic versagten seine Nerven. Doch Petzschner bügelte den Fehler aus und stahl ihm gleichzeitig die Show.

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