Sport : Die sichere Variante

Stefan Hermanns

Der Brasilianer Carlos Alberto hat in der ruhmreichen Geschichte des SV Werder Bremen nicht mehr als eine Fußnote hinterlassen, und doch war sein Transfer der vielleicht wichtigste der jüngeren Bremer Vergangenheit. Knapp acht Millionen Euro hat der Klub im Sommer 2007 für den Mittelfeldspieler ausgegeben, dessen Gegenleistung aus zwei Einsätzen in der Bundesliga bestand – inklusive einer Menge Eskapaden, die Werder an den Rand des Wahnsinns getrieben haben.

Mit Carlos Alberto wollten die Bremer am ganz großen Rad drehen, inzwischen haben sie halb gewollt, halb ungewollt zu hanseatischer Bescheidenheit zurückgefunden. Die Bremer Kaufleute setzen jetzt lieber wieder auf die sichere Variante. Claudio Pizarro ist im aktuellen Kader nach Torsten Frings und Tim Borowski der dritte Ex-Werderaner, den Werder zurückgeholt hat. Die Verpflichtung des Peruaners ist nicht nur Ausdruck der neuen alten Vereinspolitik – sie ist auch Indiz für eine gewisse Verunsicherung. Wenn Klaus Allofs früher aus seinem Sommerurlaub den Portier seines Hotels mitgebracht und ihn in ein Werder-Trikot gesteckt hätte, wäre der vermutlich im Jahr darauf Torschützenkönig geworden. Allofs war der, der gar nicht irren konnte.

Diese Gewissheit ist den Bremern abhanden gekommen. Den Volltreffern Micoud, Ailton, Diego und Pizarro steht inzwischen eine stolze Zahl an Fehlgriffen gegenüber, von Carlos Alberto über Sebastian Prödl bis zu Boubacar Sanogo. Bei Pizarro wissen die Bremer wenigstens, was sie bekommen. Dass sie für einen fast 31-Jährigen sieben Millionen Euro bezahlen, ist allerdings ein hoher Preis für ein Gefühl der relativen Sicherheit.

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