Sport : Die sichere Wahl

Zé Roberto kehrt zum FC Bayern zurück

Klaus Raab

München - Als der FC Bayern München am 7. Juni in einer Pressekonferenz seine neuen Spieler Franck Ribéry und Luca Toni vorstellte, schickte der Manager Uli Hoeneß auch eine kleine Drohung nach Brasilien. Adressat der Botschaft war José Roberto da Silva Júnior, genannt Zé Roberto. Im Prinzip hätten sich der Verein und der Spieler auf einen Zweijahresvertrag geeinigt, sagte Hoeneß. Zé Roberto, der schon von 2002 bis 2006 für die Bayern gespielt hatte, bevor er zum FC Santos in seine brasilianische Heimat gegangen war, solle nach München zurückkehren. Doch dann kam das Aber: „Aber eine schwierige Frage, die noch zu klären ist, könnte auch eine Knock-out-Situation ergeben“, sagte Hoeneß. „Wir sind der Meinung, es ist nicht gut, wenn ein Spieler, der schon ein bisschen älter ist, fünf- sechsmal im Jahr über den Atlantik fliegt.“ Zé Roberto, der im Juli 33 Jahre alt wird, müsse sich entscheiden zwischen dem FC Bayern und seiner Karriere in der brasilianischen Nationalmannschaft.

Zé Roberto hat sich entschieden. Nach 86 Länderspielen hat er seinen Rücktritt aus der Selecao erklärt. „Ich glaube, mein Zyklus im brasilianischen Nationalteam ist beendet“, sagte er. „Jetzt ist die Stunde gekommen, jüngeren Spielern eine Chance zu geben.“

Bei der Entscheidung gegen die Nationalmannschaft und für München spielte offensichtlich die Sicherheitslage in seiner Heimat eine große Rolle. Schon im Herbst 2006 hatte Zé Roberto öffentlich lanciert, dass er an einem baldigen Wechsel vom FC Santos zurück nach Deutschland sehr interessiert sei. „In Brasilien habe ich immer ein bisschen Angst um meine Familie“, sagte der Mittelfeldspieler. Nach der sportmedizinischen Untersuchung unterschrieb Zé Roberto gestern in München einen Vertrag bis 2009. Er kostet keine Ablöse.

Welche Rolle der Brasilianer im komplett erneuerten Bayern-Team spielen wird, wird nun wohl auch abhängig davon sein, wie sich die anderen Neuzugänge entwickeln und wie sie harmonieren; Ribéry, José Ernesto Sosa etwa oder auch Marcell Jansen, die wie Zé Roberto Außenpositionen offensiv besetzen können. Der Linksfuß spielte in Brasilien nicht wie bis 2006 in München vor allem auf der linken Außenbahn, sondern häufig im halblinken Mittelfeld und hatte auch Defensivaufgaben. Denkbar wäre ein Mittelfeld mit Mark van Bommel und Zé Roberto vor der Abwehr und vor ihnen Ribéry und Sosa auf den Außenpositionen, dazu ein hängender Stürmer hinter einem Mittelstürmer. Trotz Trainer Ottmar Hitzfelds berühmten Spielerrotationsprinzips, das angesichts des mit vielen Stars besetzten Kaders fast nach einer erneuten Neuauflage schreit, könnte es gut sein, dass der Brasilianer wegen seiner Vielseitigkeit eine feste Größe in der Mannschaft wird. Klaus Raab

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