Sport : Die siebte Runde

Wird Michael Schumacher 2004 wieder Formel-1-Weltmeister? Es gibt gute Gründe dafür – und dagegen

Karin Sturm

Melbourne. Michael Schumacher, wer sonst? Der sechsmalige Formel-1-Weltmeister hat das Training vor dem Großen Preis von Australien am Sonntag (4 Uhr/live bei RTL und Premiere) klar gewonnen. Der Ferrari-Pilot siegte vor seinem Teamkollegen Rubens Barrichello (Brasilien), die Konkurrenz hatte das Nachsehen. Was heißt das nun für die neue Saison? Wird Schumacher dominieren wie früher? Oder besagt dieser Auftakt noch nichts? Sieben Punkte sprechen dafür, dass Schumacher zum siebten Mal Weltmeister wird. Und sieben dagegen. Eine Aufstellung:

Sieben Punkte für Schumacher

Die Erfahrung: Seit 1991 fährt Schumacher in der Formel 1, seit 1994 mischt er immer im Titelkampf mit, diese Erfahrung hat keiner seiner Konkurrenten.

Die Rennstrategie: Der optimalen Zusammenarbeit im Rennen zwischen Schumacher und dem Technischen Direktor Ross Brawn hat Ferrari schon mehrfach unerwartete Siege zu verdanken gehabt.

Das Team: Die Erfolge der vergangenen Jahre haben dem Ferrari-Team sehr viel Selbstvertrauen und Sicherheit gegeben. Die Fehlerquote der Mannschaft ist sehr gering.

Die Technik: Der F2004 ist kein komplett neues Auto, sondern nur eine verbesserte Version des erfolgreichen F2003. Das muss kein Nachteil sein. Denn damit werden größere Anfangsschwierigkeiten vermieden. Das Team kann sich auf die wirklich neuen Dinge konzentrieren.

Die Zuverlässigkeit: In diesem Punkt hat Ferrari schon in den vergangenen Jahren überzeugt. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass dies 2004 anders sein wird.

Der Teamkollege: Rubens Barrichello wird nie wirklich die Vormachtstellung von Schumacher in Frage stellen.

Die Rivalen: Bei BMW-Williams wird Juan Pablo Montoya wegen seines Wechsels nach der Saison zu McLaren-Mercedes nicht mehr alles erfahren, zudem gibt es Probleme mit Ralf Schumacher. Und bei McLaren-Mercedes dürfte David Coulthard, der Ende 2004 gehen muss, Unruhe hervorrufen.

Sieben Punkte gegen Schumacher

Das Zeitproblem: Der Ferrari 2004 fuhr erstmals Ende Januar auf der Teststrecke. So spät rollte vor dieser Saison kein anderes Spitzenfahrzeug aus der Box zu seinem Debüt. Damit hatte Ferrari erheblich weniger Zeit zum Testen als die anderen Topteams. Möglicherweise rächt sich dies.

Der Wagen F2004: Der Verzicht auf viele Neuerungen hat zwar Vorteile, bedeutet aber auch, dass der neue Wagen F2004 ins Hintertreffen gerät, wenn die umfangreichen Verbesserungen der Konkurrenten greifen. Dann hätte der Ferrari auf einmal einen technischen Rückstand.

Die Reifen: Schon 2003 waren die Bridgestone-Reifen von Ferrari schlechter als die Michelin-Reifen der Konkurrenten. Michael Schumacher hatte sogar, soweit ihm das sein Vertrag ermöglichte, seinen Reifenhersteller kritisiert. Es gibt bisher wenig Hinweise darauf, dass sich etwas geändert hat.

Der neue MP4-19: Der MP4-19 von Mercedes-McLaren läuft schon seit November. Das Team hatte also viel Zeit, Probleme zu beheben. Zuletzt hatte McLaren-Mercedes zwar Probleme, aber das muss nicht viel bedeuten. Es gehört zum Geschäft, dass ein Team vor der Saison mit verdeckten Karten spielt und falsche Informationen streut.

Der neue BMW-Williams: Die Aerodynamik, in den vergangenen Jahren ein Schwachpunkt des BMW-Williams, scheint das Team in diesem Jahr in den Griff zu bekommen.

Die jungen Piloten: Ob Juan Pablo Montoya, Fernando Alonso oder Kimi Räikkönen, sie alle haben eines gemeinsam: Sie fahren genauso aggressiv wie Michael Schumacher in seinen wildesten Zeiten. Sie zeigen keinen Respekt vor dem sechsmaligen Weltmeister. Vor allem der Finne Räikkönen verkörpert eine bemerkenswerte Mischung aus Aggressivität und Abgeklärtheit. Er leistet sich sehr wenig Fehler.

Die unbewusste Angst: Schumacher hat zwei Kinder, die er über alles liebt. Fragt sich, wie sehr ihn in den Rennen in kritischen Situation diese Tatsache hemmt. Gut möglich, dass er – unbewusst – einen Bruchteil früher auf die Bremse tritt, als er dies früher gemacht hätte.

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