Sport : Die siegenden Lehrlinge

Die Volleyballer des SCC wirbeln die Champions League durcheinander

Karsten Doneck

Berlin - Vor Matchbällen für die eigene Mannschaft erhebt sich das Publikum in der Sömmeringhalle stets von den Sitzplätzen und verfolgt die Entscheidung stehend. Ein Zeichen von Ehrerbietung gegenüber den Volleyballern des SC Charlottenburg. Am Mittwochabend harrten die 2300 Zuschauer gleich minutenlang stehend aus. Immer wieder wurden die Matchbälle des SCC abgewehrt. „Mir haben ganz schön die Knie geschlottert“, gestand nachher Außenangreifer Robert Kromm. „Wer weiß, was in einem fünften Satz passiert? Ein Tiebreak ist ja immer auch etwas Glückssache.“ Auf Glücksspiele ließ sich der Deutsche Meister gegen Unicaja Almeria aus Spanien in der Champions League aber nicht ein. Marko Liefke verwandelte im vierten Satz den fünften Matchball mit einem Ass zum 30:28 und besiegelte damit den 3:1-Sieg der Charlottenburger.

Der SCC, morgen (15 Uhr, Sömmeringhalle) schon wieder im deutschen Pokal-Halbfinale gegen den Moerser SC gefordert, steht damit fast in den Play-offs der Champions League, also im Kreis der zwölf besten Teams in Europa. Ein Erfolg, von dem niemand zu träumen wagte. Als „Lehrlinge“ hatten sie sich selbst eingestuft, die Charlottenburger, vielleicht auf einer Stufe mit dem derzeitigen Gruppenletzten HT Innsbruck. Und dann haben sie sogar Sisley Treviso besiegt (3:2), die vermeintliche Übermannschaft aus Italien. „Damit haben wir uns wohl Respekt verschafft“, sagt Robert Kromm. Und führt als Beweis das Verhalten der italienischen Profis im Rückspiel an: „Die standen da richtig unter Spannung.“ Chancenlos verlor der SCC 0:3.

Es wird, bis die Play-off-Teilnahme endgültig feststeht, noch ein paar schlaflose Nächte in Charlottenburg geben. Am 11. Januar bestreitet der SCC sein letztes Gruppenspiel bei Tours VB. Der Rivale im Kampf um den fürs Weiterkommen bedeutsamen Gruppenplatz drei, Almeria, spielt noch daheim gegen HT Innsbruck und am 19. Januar bei Sisley Treviso. Bei drei Punkten Rückstand könnte Almeria mit zwei Siegen und einer Niederlage des SCC in Tours noch Dritter werden. Doch in Treviso werden den Spaniern minimale Siegeschancen eingeräumt. „Wenn es so etwas wie einen Volleyball-Gott geben sollte, dann wird er gerade unsere jungen Spieler nicht so hart bestrafen“, sagt SCC-Manager Kaweh Niroomand. Für ihn hat indes der Zweikampf mit dem VfB Friedrichshafen um die deutsche Meisterschaft Vorrang. Die Champions League sieht Niroomand lediglich als eine „enorm wichtige flankierende Unterstützung der Bundesliga“.

Seiner Planung, aufgestellt vor drei Jahren, eilt der SCC sportlich längst voraus. Eigentlich sollte die Mannschaft erst in der nächsten Saison im Europapokal wirklich konkurrenzfähig sein. Sorgen bereiten aber die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Den Etat wollte der SCC auf eine Million Euro pro Saison aufstocken, um die Erfolge dauerhaft abzusichern. „Das ist nicht gelungen“, sagt Niroomand. Mit rund 650 000 Euro muss sich der SCC begnügen. Das reicht aber, um von Großem zu träumen. Was dem SCC im Europacup noch zuzutrauen sei, wurde Robert Kromm gefragt. Antwort: „Alle Möglichkeiten sind jetzt offen.“

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