Sport : Die Silberpfeile zeigen Irvine, wer die Meisterschaft beherrscht

Petra Wiesmayer

Mercedes Sportchef Norbert Haug und McLaren Boss Ron Dennis machte es ihren Fahrern nach dem Rennen nach und bespritzen sich im Mercedes Motorhome ausgiebig mit Champagner. Der siebenjährige Ungarn-Fluch - zuletzt siegte hier Ayrton Senna für den englischen Rennstall 1992 - war endlich gebrochen. Und nicht zuletzt hatten sie mit dem Doppelsieg von Weltmeister Mika Häkkinen und David Coulthard dem großspurigen Eddie Irvine in seinem Ferrari wieder einmal eindrucksvoll gezeigt, wer der Herr im Hause Formel 1 ist.

Norbert Haug hielt sich mit Kommentaren nicht zurück. "Unser David Coulthard hat den Eddie Irvine niedergekämpft. Schluss, Aus, Ende. Er soll mit den vier Punkten wirklich zufrieden sein. Einmal in Fahrt, war Haug kaum noch zu stoppen: "Wenn jemand so große Sprüche klopft, dann muss er auch mal die richtige Antwort darauf bekommen. Den Fahrer Irvine, mit seinen fahrerischen Leistungen respektiere ich durchaus. Was die Lärmerei immer soll - vielleicht ist das bei ihm so. Heute hat man gesehen, daß er eben nicht 50 Prozent des Teams unter Kontrolle hat. Im Gegenteil: Der David hat ihn unter Kontrolle gehabt."

Trotz aller Freude bei den Silberpfeilen lässt sich aber nicht verleugnen, dass der Grand Prix von Ungarn ein Rennen war, das es dem Zuschauer nicht leicht gemacht hat, die eindreiviertel Stunden wach zu bleiben. Die Positionen waren im Grunde schon in der ersten Kurve bezogen und die einzigen Überholmanöver beschränkten sich auf Überrundungen, wenn Mika Häkkinen wie ein D-Zug durchs Feld pflügte. Vom Kampf um Platz zwei zwischen David Coulthard und Eddie Irvine einmal abgesehen, fuhren alle schön brav, wie an einer Perlenkette aufgezogen, hintereinander her. Durchhalten hieß die Devise, vielleicht fällt ja vor einem einer aus, und man kann so einen Platz nach vorne rücken.

Nun ist die Formel 1 zuletzt mehr als verwöhnt worden. Ausbremsmanöver, Überraschungssieger und Wetterkapriolen prägten die letzten Rennen. Der Grand Prix in Budapest hat jedoch alle wieder bestätigt, die technische Abrüstung fordern, wieder auf Slick-Reifen zurückrüsten wollen und die Autos wieder breiter bauen wollen. Damit könnten sie, wie in alten Tagen, genug Windschatten bieten, in dem die Verfolger sich ansaugen können.

Vielleicht lag es aber auch nur an der Strecke. Der Hungaroring bietet mit seinen kurzen Geraden und schnellen Kurven denkbar schlechte Voraussetzungen zum Überholen. Die Rillenreifen, die von vorne herein schon einmal die Bremswege verlängern, und schmale Autos, die zu wenig Windschatten aufbauen, tun ein übriges. Eine tödliche Kombination, die spannende Rennen unmöglich macht.

Kein Wunder, dass sich die Formel-1-Szene schon auf die nächsten Rennen in Spa-Francochamps und in Monza freut, wo die Voraussetzungen wieder ganz anders aussehen. Oder sollte der Traum vom Formel-1-Krimi wirklich schon wieder ausgeträumt sein, bevor er so richtig angefangen hat?

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