Sport : Die slowakische Franzi

Nur die Deutsche van Almsick verdient im Schwimmen mehr Geld als die Weltmeisterin Martina Moravcova

Frank Bachner

Berlin. Martina Moravcova hat sich wieder beruhigt, sie hat wieder ihre eigenen Kleider. Es war aber auch einigermaßen ärgerlich. Die 27-Jährige war von den USA zum Schwimm-Weltcupfinale nach Berlin geflogen, ihr Gepäck aber war in Kopenhagen hängen geblieben. Ein peinlich berührter Airline-Mitarbeiter brachte ihr später das Gepäck ins Hotel. Andererseits ist die sechsmalige Kurzbahn-Weltmeisterin Ärger gewohnt. Bei der Kurzbahn-EM in Riesa im Dezember fiel in ihrem Hotelzimmer die Heizung aus, so dass Martina Moravcova erst enorm fror und dann zornig verkündete: „Ich bin hier doch nicht zum Camping.“ Und gestern musste sie einen leichten Schnupfen dann auch noch mit Antibiotika bekämpfen.

Der Schnupfen war aber durchaus eine ernste Sache. Denn er kostete sie wohl ein paar tausend Dollar. Sie hatte in Berlin die Chance, Weltcupsiegerin zu werden, am Samstag aber verpasste sie über 100 m Schmetterling die dazu erforderliche Top-Zeit (57,32 Sekunden). Ihre Chancen, als Gesamtsiegerin die 50 000 Dollar zu kassieren, sind nun gleich null geworden. Das ohnehin pralle Konto wird dadurch kaum weniger voll sein.

Denn Martina Moravcova aus dem Städtchen Piestany ist nach Franziska van Almsick im Moment die weltweit bestverdienende Frau im Schwimmen. Allein mit Siegprämien bei Weltcups hat sie in den vergangenen Jahren rund 250 000 Dollar kassiert. Für ihren Weltcup-Gesamtsieg 2002 kassierte sie weitere 50 000 Dollar. Und für 13 Europameister-Titel und diverse Weltrekorde erhielt die Freistil- und Schmetterling-Spezialistin zusätzlich Prämien. In der Slowakei, wo eigentlich Eishockey und Tennis als Nationalsport gilt, überschlagen sie sich deshalb vor Begeisterung über Moravcova. Fünf Mal wurde sie zur Sportlerin des Jahres gewählt, Chefredakteure von Magazinen heben sie regelmäßig aufs Titelbild, und wenn sie mal für ein paar Tage nach Hause kommt, bombardieren Journalisten sie mit Anfragen.

Irgendwann hat sie dann genug. „Dann flüchte ich wieder in die USA.“ Nach Dallas, Texas, genau genommen. Zu Steve Collins, ihrem Trainer, zu ihrem Mann Martin, einem Rechtsanwalt, zu ihrer Trainingsgruppe, in der andere Weltklasse-Schwimmerinnen sind, kurz gesagt: in die Stadt, in der sie seit 1995 lebt und in der sie Betriebswirtschaft studierte. Vor allem aber flüchtet sie in die Anonymität. „Dort bin ich völlig unbekannt“, sagt sie. Im Fernsehen laufen permanent Football-, Basketball- oder Eishockeyspiele, und wenn Martina Moracova überhaupt irgendwo auftaucht, „dann in einem kurzen Zeitungsartikel“. Und so anonym müsste sie ihrer Ansicht nach dann doch nicht sein.

In der Slowakei verstehen sie diese Ignoranz natürlich nicht. Dort sitzen die meisten Sponsoren der 27-Jährigen, dort wird der nationale Qualifikationsmodus für Welt- und Europameisterschaften notfalls so gedehnt, dass Moravcova auf jeden Fall starten darf, solange sie nicht gerade ein Bein in Gips trägt. Dafür aber pflegt die zweimalige Olympiazweite von Sydney die patriotische Seele ihrer Landsleute. „Im Herzen bin ich eine Slowakin“, sagt sie oft und publikumswirksam und bestimmt auch wahrheitsgetreu. Nur eine endgültige Rückkehr in die Slowakei ist so eine Sache. 2005 peilt sie ihr Karriereende an, „dann will ich Kinder“, aber die könnten durchaus in den USA aufwachsen. „Ich muss mich ja auch nach meinem Mann richten.“

Vielleicht nimmt man ihr diese Überlegung in der Heimat ein wenig übel. Jedenfalls wurde Moravcova ausgerechnet 2002, „als ich alles gewonnen habe, was ich gewinnen konnte“, darunter zwei WM-Titel, bei der Wahl zum Sportler des Jahres nur Zweite. Leicht säuerlich erklärt die 27-Jährige, „dass ich nicht wirklich enttäuscht bin“.

Aber 2002 hatte sie keine Chance gegen Peter Bondra, den Eishockeystar, der mit der Slowakei Weltmeister wurde. Der Stürmer schoss im WM-Finale gegen Russland das entscheidende Tor zum 4:3-Sieg der Slowakei. Moravcova kennt Bondra sehr gut. Der Stürmer gehört zu den Leuten, die sie aus den Sportprogrammen des US-Fernsehens verdrängen. Peter Bondra von den Washington Capitals ist einer der NHL-Superstars.

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